Monatsrückblick Mai 2026 – Beobachten, Staunen und Loslassen

Sonnenaufgang

Ich versuche, präsent im Alltag zu sein. Zu schauen, was mir begegnet. Nicht zu bewerten, sondern wahrzunehmen. Der Mai hat mir dafür reichlich Gelegenheit gegeben – in sehr unterschiedlichen Welten.

Fortbildung – und die Frage, welchem Sog ich folgen will

Immer wieder schaue ich mir andere Coaches an, andere, die Produkte anbieten. Wie machen sie es, was ist der Inhalt, wie bauen sie es auf, was ist das Besondere – und was gefällt mir, womit habe ich Schwierigkeiten?

Sehr intensiv war im Mai das Angebot einer spirituellen Begleiterin. Sie verspricht einen Heilcode. Da ich den Emotion Code bereits kenne, war ich gespannt. Sie hat ein tolles kleines Einstiegsprodukt, hat auch per Post gleich etwas zugeschickt, sodass man sich verbunden gefühlt hat. Leute, die für sie arbeiten, standen als Ansprechpartner zur Verfügung. Das Ganze ging über mehrere Wochen. Gegen Ende der vier Wochen verkaufte sie ein Produkt für 10.000 Euro. Ok – wer sich das leisten mag. Dann aber begann ein Spiel, das ich kritisch beobachtete: Berater zeigten, wie man sich die 10.000 Euro finanzieren lassen kann – bis hin zu Monatsraten von 100 Euro. Weil wenn du den Kurs machst, bist du ja bald glücklich, dein ganzes Leben ändert sich, dann sind die 10.000 kein Problem. Es gab sogar Hilfestellung, wie man das Geld vom Partner bekommt. Puh. Wie lange muss ich 10.000 Euro zahlen, wenn ich das in 100-Euro-Schritten mache? Das sind 8 Jahre und 4 Monate – und das sind nur die 10.000 Euro, ohne Zinsen. Mindestens 10 Jahre zahlen. Kann ein Kurs so gut sein? Für mich war spätestens da der Ausstieg klar. Wenngleich ich fasziniert beobachte, wie sie weiterhin Angebote macht: Wenn du ihren Kurs mitmachst, wird dein Leben ganz neu. Ich wollte lieber doch kein so neues Leben.

Dann stieß ich über einen seriösen Anbieter auf ein Angebot, das mich neugierig machte. Es klang nach einem Job, bei dem meine Kommunikationskompetenz gefragt wäre. Die Quelle schien gut – also ließ ich meine übliche Skepsis schlafen. Erst im Gespräch wurde mir klar, was wirklich dahintersteckte: kein Job, sondern eine Ausbildung – für die ich 4.000 Euro zahlen sollte. Als Jobangebot getarnt, kommunikativ sehr professionell aufgezogen. Eine Frage hat mich besonders getroffen: „Was würdest du mit dem Geld machen, wenn du es hast?“ Ich gab distanzierte Antworten – materielle Wünsche treiben mich nicht. Und trotzdem fühlte sich das Gespräch irgendwann seltsam an. Fast übergriffig. Als hätte man versucht, mich an einer Stelle zu packen, die es bei mir gar nicht gibt. Am Ende hatte ich nur geäußert, dass ich gerne etwas dazuverdienen möchte. Mehr nicht. Und selbst das reichte ihnen als Hebel. Nur weil ich das Geld nicht dringend brauchte, konnte ich Nein sagen. Wer unter Druck steht, hätte kaum eine Chance gehabt. Das hat mich getroffen. Und es hat mir klargemacht: Auch seriös wirkenden Quellen keine Vorschusslorbeeren mehr geben. Kritisch bleiben – auch wenn alles nett klingt.

Gleichzeitig startete ich bei Judith Sympatexer mit dem Kurs „Double your List“ .Das ist ein Kur rund um das Listenwachtum und den Newsletter. Für mich war das ein sehr spannender Einstieg in die KI-Welt. Ich habe viel gelernt, habe Ideen entwickelt, was man mit KI alles machen kann. Ich habe von ChatGPT auf Claude gewechselt und weiß jetzt, was Projekte sind und wie Cowork gehen kann. Die Umsetzungsschritte zur „Double your List“ waren hingegen schwierig – ich brauchte meinen Webdesigner dazu. Der hat vielen Schritten von Judith auf das Heftigste widersprochen. Da saß ich nur. Was mache ich? Baue ich nach Judiths Vorgaben, oder mache ich es so, wie mein Designer es sagt? Was passt zu mir? Die KI war auch nicht ganz eindeutig. Also bin ich erst mal in den Urlaub gefahren.

Gargano – ein Italien, wie ich es sonst nicht kenne

Nicht irgendwohin, sondern weit weg. An den Sporn vom Stiefel. Einmal quer durch ganz Italien.

Unterwegs haben wir eine italienische Werkstatt aufgesucht, um die Klimaanlage reparieren zu lassen. Tatsächlich ging das in zwei Stunden. Die kleinen Kinder fuhren mit ihren Fahrgeräten zwischen den Autos rum, der Mann der für uns zuständig war, war frisch von der Formel 1 gekommen – top fit, sprach gut Englisch. Wir sind dann auch noch durch eine italienische Waschanlage gefahren. Was man so alles kennenlernen kann.

Italienische Autowerkstatt
Die italienische Waschanalage

Im Hotel war der Standard vertraut. Als wir beim Frühstück nach glutenfrei fragten, brachten sie uns eine ganze Menge Tüten. Neugierig wie ich bin, probierte ich viel aus. Teils sehr gut. Manches isst man besser nicht, wenn man die Zutatenliste ansieht.

Im Gargano unten sprach man fast kein Englisch. Die Verständigung ging über Hände und Füße und die wenigen Brocken Italienisch, die wir inzwischen können. Das dankten die Leute sehr. Ein Italien, wie ich es sonst nicht kenne – ursprünglicher, mehr die Einheimischen unter sich. Der Ort klebte am Felsen.

Und dann die Olivenbäume. Unten im Gargano hat fast jeder seine eigenen Olivenplantagen. So haben wir bei einer Privatperson, die wir kennengelernt haben, Olivenöl gekauft – und dazu noch Zitronen bekommen. Mit Flecken, aber frisch von den Bäumen. Das hat mich sehr berührt.

Kroatien – und der Unterschied, den man erst erlebt

Von Italien segelten wir nach Kroatien. Die Küste ist schöner, die Buchten beeindruckender. Dafür die Menschen wesentlich unfreundlicher – obwohl sie viel mehr Englisch sprechen. Spannend, das so stark zu erleben. Sicher gibt es auch herzliche Kroaten. Aber so wie die Italiener unten herzlich waren, waren die Kroaten eher abweisend. Innerhalb weniger Tage konnten wir beides nebeneinander beobachten.

Auch die Küsten selbst sind so verschieden: Kroatien bietet viel Abwechslung, die italienische Küste ist mehr oder weniger eine große Sandbank, auf der man vor der geraden Küste ankert. Sogar der Bewuchs des Schiffes ist in Italien ganz anders als in Kroatien. Dinge, die man vorher nicht weiß, sondern erst erlebt, wenn man den Hafen wechselt.

Die kroatische Küste

Auf dem Schiff – eine andere Familie, eine andere Welt

Ich war auf dem Schiff im Umfeld einer anderen Familie. Das finde ich immer wieder total spannend. Man findet dort andere Gewürze, anderes Besteck, anderes Geschirr, andere Bettwäsche – und sogar andere Wäscheklammern. Ich habe sie fotografiert. Das klingt vielleicht seltsam, aber genau das ist es, was mich interessiert: nicht dass alles besser ist, aber es ist anders. Und darin stecken andere Ordnungssysteme, andere Selbstverständlichkeiten.

Schöne besondere Wäscheklammern

Besonders interessant war, die zwei Jugendlichen zu beobachten. Der eine mit einem massiven Bewegungsdrang – schon zum Frühstück erst mal Klimmzüge, und er ließ sich wie ein echter Schiffsjunge am Mast hochziehen. Gut 14 Meter – bei Wind. Das muss man erst mal aushalten. Der andere höchst aufmerksam, sofort zur Stelle wenn irgendetwas klemmt – mit Sport hatte der nicht so viel zu tun. Fast schon klassisch, wie ich es in der Ausbildung gelernt habe: Die Ältesten halten alles am Laufen, sorgen sich um alles. Die Mittleren sind fast unsichtbar – und unverzichtbar, wenn man genau hinschaut.

Mastkletterer
Mastkletterer

Was bleibt – und was mich wirklich beschäftigt hat

Die Fortbildungen haben dazu geführt, dass ich völlig aus dem Bloggen gefallen bin. Und gleichzeitig frage ich mich: Wie will ich sichtbar sein? Welchen Sog will ich aufbauen – und welchen nicht? Ich habe ein Freebie entwickelt. Ganz stimmen die Kriterien nicht mit den Vorgaben überein. Ja, mich hat vieles im Mai verunsichert. Ich weiß noch nicht genau, wie ich mich in dem Ganzen positionieren will.

Im Mai war ein guter Freund am Sterben. Er war sehr mit seiner Familie beschäftigt, und alles war soweit gut. Es gab nicht mehr viel zu sprechen zwischen uns – und das war auch stimmig so. Was ich von außen beobachten durfte: Wie ein Sterben Menschen verbinden kann. Wie es ein Höhepunkt sein kann – im tiefsten Sinne. Wie eine Familie enger zusammenrückt als je zuvor im Leben. Das beschäftigt mich. Und die Frage, wie schnell ein Leben zu Ende gehen kann. Am Ende meines Urlaubs rief die Ehefrau an, um mir mitzuteilen, dass er gestorben ist.

Somit war mein Mai nicht voll mit konkreter Arbeit und konkreten Aufträgen – sondern mit Lernen, Beobachten und Abwägen. Was will ich? Was ist mir wichtig? Wo will ich hin?

Und jetzt kaufe ich mir eine Bewegungsmeldelampe mit USB-Anschluss. Das wusste ich vorher nicht, dass es das gibt. Man lernt nie aus.

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Andrea vor Felsen

Ich bin Andrea Sam — Coach, Beraterin und Seminarleiterin mit jahrzehntelanger Erfahrung in Kommunikation, Konfliktmanagement und persönlicher Entwicklung. Ich begleite Menschen, die Klarheit suchen — im Gespräch, in schwierigen Situationen und in sich selbst. Mein Ansatz ist ganzheitlich, nah am Menschen und nah an der Wirklichkeit.

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