Wie ich meine Kommunikationsmuster erkenne

Madala in rot

Unsere Art zu sprechen entsteht nicht zufällig.
Sie wächst aus dem, was wir erlebt haben, gelernt haben und für normal halten.

Vieles davon läuft unbewusst,
bis wir beginnen, genauer hinzuschauen.

Dieser Text lädt Dich ein,
Deine eigenen Kommunikationsmuster wahrzunehmen.

Kommunikation ist oft unbewusst

Viele unserer sprachlichen Muster sind uns selbst nicht bewusst.

Erst wenn wir beginnen, sie zu beobachten
oder Rückmeldungen von anderen bekommen,
merken wir, was wir eigentlich tun.

Ich erinnere mich an ein Rhetorikseminar, das ich kurz nach der Grenzöffnung in Sachsen gegeben habe.

Dort wurde ich gefragt:

„Was heißt eigentlich dieses E, das Sie immer sagen?“

Ich wusste nicht, was gemeint war.

Bis mir erklärt wurde, dass ich ständig sagte:

„Eh egal.“

Gemeint war:

„Es ist sowieso egal.“
„Da kann man eh nichts machen.“

Mir war nicht bewusst, dass ich diese Haltung ständig mitspreche.

„Eh“ – mehr als ein Wort

Mir wurde dann auch klar:

Das war eine tief verwurzelte Sprache.
Im Schwäbischen fällt das niemandem auf.
Es gehört einfach dazu.

Außerhalb dieser Region ergibt es plötzlich keinen Sinn.

All das ging mir durch den Kopf:

Wie habe ich mir das angewöhnt?
Was heißt das eigentlich genau?
Warum sagen wir Schwaben das so oft?

Später wurde mir noch etwas deutlich:

Mein „Eh“ war nicht das fragende schwäbische „Eh?“.

Es war dieses:

„Des isch eh so.“
„Mach i eh.“
„Des war eh klar.“

Im Sinn von:

sowieso.
ohnehin.
steht nicht mehr zur Debatte.

Wie ein innerer Haken dran.

Nicht suchend.
Nicht offen.

Sondern: abgeschlossen.

Und auch das hatte ich jahrelang mitgesprochen,
ohne es zu merken.

Wenn Dir Dein eigenes Muster plötzlich auffällt

Nach dieser Rückmeldung war es für mich erst einmal anstrengend.

Ich sollte meinen Unterricht weiterführen,
die Gruppe im Blick behalten,
auf die Stimmung achten.

Und gleichzeitig hörte ich mir selbst zu.

„Schon wieder: eh egal.“
„Jetzt habe ich es wieder gesagt.“

Meine Aufmerksamkeit war plötzlich bei mir.

Das Seminar ging drei Tage.

Am Ende war ich so weit,
dass ich merkte, wenn ich wieder „Eh“ sagen wollte –
und den Satz anders beendete.

Bis dahin wusste ich nicht einmal,
dass ich dieses Muster hatte.

So geht es vielen.

Muster gehören oft lange zu uns

Manches schleicht sich ein.
Es wird Gewohnheit.
Es gehört irgendwann zu Dir.

Ich kenne zum Beispiel eine Frau, die bei fast allem lächelt oder lacht –
auch bei ernsten oder schwierigen Themen.

Nicht, weil es lustig ist.
Sondern weil sie es so gelernt hat.

Dadurch bekommen sogar dramatische Inhalte einen lächelnden Ton.

Das irritiert.

Manche Muster begleiten Menschen sehr lange.

Sie irritieren andere –
auch wenn niemand genau sagen kann, warum.

Man spürt nur:

Irgendetwas passt nicht.

Um herauszufinden, was da passiert, braucht es Beobachtung im Gespräch.

Sonst gehst Du vielleicht aus einem Gespräch,
hast ein komisches Gefühl
und weißt nicht, woher es kommt.

Wenn Dich solche Gespräche noch lange beschäftigen
und innerlich nicht zur Ruhe kommen lassen,
habe ich dazu in einem anderen Artikel geschrieben,
warum uns manche Begegnungen nicht loslassen:
👉 https://andreasam.com/warum-gespraeche-nicht-loslassen/

Dabei hat es oft gar nichts mit Dir zu tun.

Es ist ein Überlebensmuster des anderen,
das gerade wirksam war.

Lernen, Gespräche zu beobachten

Wenn Du beginnst, Dich und andere in Gesprächen zu beobachten, lernst Du sehr viel.

Es entsteht mit der Zeit ein innerer Beobachter, der „mitläuft“.

Ein Teil von Dir, der wahrnimmt, während Du sprichst und handelst.

Du erkennst:

  • wiederkehrende Muster bei anderen
  • bestimmte Grundstimmungen
  • typische Reaktionen
  • Deine eigenen sprachlichen Eigenheiten

Vielleicht entdeckst Du sogar Dein eigenes „Eh“.

Manchmal ist es auch hilfreich, andere zu fragen,
ob Dir etwas Auffälliges in Deiner Sprache eigen ist.

Wenn es sehr deutlich ist, wissen andere es oft längst.

Ich hatte einmal einen Lehrer, der ständig „banal“ sagte.
Wir hätten es ihm sofort sagen können.
Stattdessen führten wir eine Strichliste. 🙂

Ohne Bewertung beobachten

Wichtig ist:

Beobachte freundlich.
Ohne zu verurteilen.

Gib Dir selbst und anderen keinen Stempel wie:
„Der ist halt immer so.“

Menschen machen Dinge nicht „immer“.
Sie machen sie gerade so.

Wie Du über Dich selbst sprichst

Vielleicht findest Du beim Beobachten auch etwas an Dir,
das Dir bisher nicht aufgefallen ist.

Etwas, das Dir im Weg steht.

Ich kenne eine Frau, die ständig über sich schimpft:

„Ich bin so blöd.“
„Ich bin ein Trottel.“
„Wie dumm von mir.“

Völlig unnötig.
Völlig unangebracht.

Und doch sehr wirksam – im negativen Sinn.

Kleine Schritte verändern viel

Wenn Du merkst, wie Du über Dich sprichst,
kann das schon der Beginn einer kleinen Veränderung sein.

Nicht mit Druck.
Nicht mit Selbstoptimierung.

Sondern mit Bewusstheit.

Vielleicht sagst Du es einmal weniger.
Vielleicht nur noch einmal statt dreimal.
Vielleicht bemerkst Du es einfach.

Nach dem Bewusstwerden helfen kleine Schritte.

So entsteht Veränderung –
leise, aber nachhaltig.

Abend der Klarheit

Wenn Du merkst, dass Dich bestimmte Gesprächsmuster immer wieder beschäftigen
und Du ihnen nicht nur im Kopf begegnen möchtest,
ist der Abend der Klarheit ein guter Ort dafür.

Dort schauen wir gemeinsam auf das, was in Dir wirkt –
ruhig, konkret und ohne Druck.

Mehr dazu findest Du hier:

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Andrea Sam