Feuerlauf – was wirklich dahintersteckt (und was ich nach der Ausbildung noch nicht weiß)

Feuerlauf – über glühende Kohlen laufen. Klingt nach Mut, nach Grenzen sprengen, nach Magie. Ich habe die Ausbildung zur Feuerlauftrainerin gemacht, ich bin viele Male drübergelaufen – und meine ehrlichste Antwort auf die Frage „Warum funktioniert das?“ ist bis heute: Ich weiß es nicht genau. Aber ich habe etwas gefunden, das für mich zuverlässig wirkt.

Mein erster Feuerlauf – zwischen Staunen und Skepsis

Vor vielen Jahren hörte ich zum ersten Mal von Feuerlauf. Man könne über glühende Kohlen gehen. Sofort war in mir die Frage: Geht das? Funktioniert das? Wer bietet das an? Da ich bereits in NLP ausgebildet war, war ich gespannt, wie das mit dem Feuerlauf wird. Es war ein Wochenendseminar. Und ja, ich bin am Ende tatsächlich über die glühenden Kohlen gelaufen. Irgendwo gibt es auch noch ein Foto von mir davon. Ich habe vor allem in Erinnerung, dass der Leiter erzählt hatte, wo er sein Holz kauft (bei mir um die Ecke) und dass viele Leute sich darum reißen, für ihn zu kochen: er geht jeden Tag essen. All die anderen Übungen waren nicht nachhaltig. Außer, dass es in einem Hotel irgendwo nördlich von Stuttgart war und der Feuerlauf auf dem Gelände des Hotels stattfand – was eine eher ungewöhnliche Umgebung war. Dass ich die NLP-Ausbildung erwähne, hat deshalb Bedeutung, weil ich von dort vermutlich die Übungen kannte. War ich beflügelt? Ja, ich war stolz darauf, es gemacht zu haben. Allerdings war ich zu dem Zeitpunkt nicht ganz sicher, ob es wirklich eine besondere Leistung ist, über glühende Kohlen zu gehen.

Ich fand im privaten Bereich eine Gruppe von Leuten, die immer wieder Feuerlauf angeboten haben. Da bin ich mehrmals gewesen. Das war eher so, wie ich mir Feuerlauf vorgestellt habe: in der Natur, zwischen Obstbäumen. Ich nahm meinen damals 15-jährigen Sohn mit. Und tatsächlich ist er auch über die Kohlen gelaufen. Er nahm sogar ein kleines Kind, die Tochter einer Freundin, auf die Schultern und hüpfte über die Kohlen. Passiert ist uns wieder nichts. Leider stellten die Leute den Feuerlauf ein. Ich konnte nicht genau herausfinden, warum. Es klang so, als ob es ein Versicherungsproblem gegeben hat. Das war schade. So eine gute Adresse.

Die Ausbildung zur Feuerlauftrainerin – und die Fragen, die blieben

Immer wieder habe ich über Feuerlauf gelesen. Es war einige Zeit völlig „hipp“, über glühende Kohlen zu laufen. Es häuften sich die Berichte darüber, warum es überhaupt funktioniert. Da gab es unglaublich viele Theorien: von Schweißtropfen, die verdampfen würden, über Luftpolster, über Asche um die Kohlen herum – ganz klar physikalisch erklärbar. Also doch kein Wunder? Dann war irgendein Guru auf Mallorca, der mit Leuten über glühende Kohlen lief – und viele mussten ins Krankenhaus wegen Verbrennungen. Da war wohl auch Alkohol im Spiel. Hm, also doch nicht so ungefährlich? Verbrennt man sich die Fußsohlen? Ehrlich?

Irgendwann stolperte ich im Internet über eine Ausbildung zum Feuerlauftrainer. Sie war bezahlbar und ich war fasziniert. Sofort habe ich mich angemeldet. Und mein Sohn – inzwischen erwachsen – wollte auch mitmachen. Wir wollten wissen: Wie wirkt das wirklich?

Wir waren an mehreren Feuerläufen beteiligt. Wir waren beim Aufbau dabei und dabei, wie die Leute über die Kohlen liefen. Mit der Zeit lernten wir, wie die Kohlen aussehen mussten, wann es Zeit war, darüber zu gehen. Ich erinnere mich an Feuerläufe am Bodensee und in der Schweiz. Das „Drumherum“, also der Aufbau der Kurse, war interessant, aber nicht denkwürdig. Immer ging es darum, seine Grenzen zu sprengen, sich etwas zuzutrauen.

Warum verbrennt man sich die Füße nicht? (oder doch?)

Ich suchte immer noch den Schlüssel: Warum funktioniert das? Verbrennt man sich die Füße? Wenn ja, wann? Ich habe schon sehr lange eine Fortbildung in Fußreflexzonenmassage. Deshalb untersuchte ich die Füße immer genau. Gab es „Brandstellen“? Bei mir nie. Aber es gab einige „Löcher“, also kleine runde Vertiefungen nur in der Hornhaut. Und das war interessant – an welchen Stellen die waren. Das war anscheinend meine Schwachstelle. Aber es erklärte immer noch nicht, warum Feuerlauf funktioniert.

Unsere Ausbildung schritt voran. Wir fragten uns immer wieder: Wie geht das, warum funktioniert das? Der Ursprung des Feuerlaufs, wie er uns gesagt wurde, stammt aus religiösen Kulturen, in denen zu bestimmten Festen über glühende Kohlen gelaufen wird. Inzwischen habe ich auch einige Videos dazu gesehen. Die Leute laufen wie in Trance über die Kohlen, während sie vorher am Fest beteiligt waren. Sie haben keinen langen „Ich bin so toll, ich sprenge meine Grenzen“-Kurs gemacht. Also muss es auch so gehen. Sie sind auch nicht – wie wir – vorher über Glasscherben gelaufen. (Da hat man uns den Trick verraten, er ist so profan, dass es schon fast peinlich ist. Wir mussten zusagen, dass wir es nicht verraten.) Also: Stelle dir etwas ganz Einfaches vor, dann triffst du es. Aber was wirkt wirklich beim Feuerlauf? Wenn es nicht die Vorbereitung ist?

Ich war schon drauf und dran zu sagen: Ist alles easy peasy, sofern man nicht besoffen ist. Dann verriet unsere Ausbilderin, dass sie sich die Füße verbrannt hat und länger nicht mehr laufen konnte. Das war spannend. Also: Man kann sich die Füße auch ohne Alkohol verbrennen. Und warum verbrennt man sie oft nicht?

Wir mussten zum Abschluss der Ausbildung einen Feuerlauf anbieten. Zum Glück waren wir zu zweit. Inzwischen war mir klar: Ich laufe nicht drüber, wenn ich nicht sicher bin, dass meine Füße heil bleiben. Jetzt soll man als Leiter aber zuerst drüber laufen? Zum Glück war mein Sohn sicher und lief als Erster drüber. Ich konnte nicht. Ich wollte nicht. Ich bin zum Schluss doch drüber gelaufen. Tänzelnd, drehend, tanzend – aber da war der richtige Zeitpunkt.

Der Aufwand für den Feuerlauf war eher hoch. Die Nachfrage war eher gering. Und unsere zentralen Fragen hatten keine klare Antwort bekommen.

Für die Fertigstellung dieses Artikels habe ich nochmals im Internet recherchiert. Was mich dabei überrascht hat: Viele YouTube-Videos zeigen Feuerläufe, die dem widersprechen, was ich in meiner Ausbildung gelernt habe – bei manchen brennen noch offene Flammen, bei anderen ist die Glut viel zu hoch aufgeschichtet. Eigentlich müssten sich die Leute dabei die Füße verbrennen. Tun sie aber nicht. Das Rätsel bleibt also offen. Ich weiß nur, wie es für mich funktioniert.

Was wirklich wirkt – meine Antwort nach all den Jahren

Allerdings habe ich für mich eine Antwort gefunden, die bis heute funktioniert: Ich muss mich ganz gut auf mich konzentrieren. Ich muss bereit sein, drüber laufen zu wollen. Ich darf nicht nur vom Kopf her laufen müssen. Dazu kommt, dass bei meinem ersten Feuerlauf der Trainer sich hingestellt hatte und sagte, er stehe für das Ziel – verständlich, vertrauenserweckend. Trotzdem komisch, dass er mein Ziel sein sollte. Aber ich habe es hinbekommen: mein Ziel zu visualisieren, an ihn zu „kleben“ und dann über die Kohlen zu ihm zu laufen.

Die anderen Male war „er“ nicht da. Allerdings habe ich es ab da immer so gemacht: Ich habe ein Ziel auf der anderen Seite der Kohlen anvisiert. Ich habe mich immer mit meiner spirituellen Quelle verbunden und innerlich gefragt, wann ich gehen kann. Ich bin erst dann gelaufen, als von innen – von den Spirits, vom geistigen Team, von wem auch immer – ein Go kam. Und bei meiner Abschlussprüfung musste ich lange auf mein Go warten. Es war wie ein Winken eines Engels: am anderen Ende des Glutteppichs: „Jetzt kannst Du zu mir kommen.“

Die innere Stimme beim Feuerlauf zu hören ist nur ein Beispiel. Ich erlebe es immer wieder – bei Entscheidungen, in schwierigen Gesprächen, in Momenten wo der Kopf rast und das Herz eigentlich schon weiß. Wer lernt, auf dieses innere Signal zu vertrauen, trägt etwas Unschätzbares mit sich. Das ist für mich Spiritualität im Berufsalltag: nicht esoterisch abgehoben, sondern ganz praktisch – als innerer Kompass der trägt.

Was ist mein Fazit? Irgendetwas wirkt beim Feuerlauf. Ich habe es nicht übers Gehirn gefunden, ich kann es nicht erklären. Für mich ist die Verbindung mit dem Göttlichen unabdingbar und gibt mir die Sicherheit, mir nicht die Füße zu verbrennen. Sprengt es Grenzen? Ich weiß nicht recht. Es ist mutig, so etwas zu tun, es ist herausfordernd, es ist magisch. Aber ob es Grenzen sprengt – und ob man sie sprengen muss? Es war in jedem Fall bereichernd und hat mir mitgegeben, sehr stark auf meine innere Stimme zu achten.

Die innere Stimme hören – nicht nur beim Feuerlauf, sondern in Entscheidungen, in Beziehungen, im Berufsalltag. Wenn dich das Thema bewegt, freue ich mich wenn du meinen Newsletter abonnierst. Ich schreibe dort regelmäßig darüber – persönlich, ehrlich, aus der Praxis.

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