Konflikte im Team: Ist es wirklich die Sache? Wie Familienüberblendung Teams ausbremst

Konflikte im Team sind oft keine Sachkonflikte. Wie Familienüberblendung Teams ausbremst und welche einfache Übung Dir sofort hilft.
Grün-gelbes Mandala mit roten Fliegenpilzen und feinen Wurzelfäden als Symbolbild für Konflikte im Team

Konflikte im Team fühlen sich fast immer wie Sachkonflikte an. Sind sie aber oft nicht. Häufig steckt eine Familienüberblendung dahinter: Wir bauen unsere Familie unbewusst im Team nach. Hier erfährst Du, woran Du das merkst, welche einfache Übung Dir hilft und wann eine Aufstellung sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hinter vielen Konflikten im Team steckt nicht die Sache, sondern die Person, die sie vorträgt.
  • Es gibt drei Ebenen: die Sache, die unterschiedliche Arbeitsweise und die Familienüberblendung.
  • Familienüberblendung im Team heißt: Eine Kollegin hat die Struktur von jemandem aus Deiner Kindheit, und Du kämpfst einen alten Kampf im Hier und Jetzt.
  • Mit der Übung „unscharf anschauen“ findest Du selbst heraus, an wen Dich jemand erinnert.
  • Ein einfacher Satz trennt die beiden wieder: „Du bist nicht mein Onkel. Du bist ein Fremder für mich.“

Kennst Du das? Jemand im Meeting macht einen Vorschlag. Keiner hört hin. Er sagt ihn nochmal. Und nochmal. Fünfmal.

Dann sagt jemand anders genau dasselbe. Und zack. Alle reagieren.

Was war da los? An der Sache kann es ja nicht gelegen haben. Die war dieselbe.

Ist es bei Konflikten im Team wirklich die Sache?

Oft nicht. Das ist eine eher freche Behauptung, ich weiß. Der Sachkonflikt steht in der Regel immer ganz vorne. Ich schiebe ihn ganz nach hinten.

Denn wenn man den Sachkonflikt mal anfängt zu untersuchen, dann stellt sich die Frage: Bin ich wirklich mit der Sache nicht einverstanden? Oder mit der Person, die sie vorträgt?

Ist der sichtbare Konflikt der eigentliche Konflikt? Das klären wir zuerst.

Die drei Ebenen eines Teamkonflikts

Damit Du sortieren kannst, hilft mir diese Unterscheidung:

EbeneDie Frage dahinterHat es mit der Person zu tun?
Die SacheBin ich inhaltlich wirklich anderer Meinung?Nein
Die ArbeitsweiseTickt der andere einfach anders und geht anders an die Arbeit heran?Nein
Die FamilienüberblendungErinnert mich die Person an jemanden von früher?Ja, und zwar an jemand ganz anderen

Die zweite Ebene unterschätzen viele. Manchmal verstehen wir einfach nicht, wie der andere tickt. Das Team Management System (TMS) zeigt sehr schön, wie unterschiedlich Menschen an ein Thema herangehen. Darüber habe ich in „Nur 5 Prozent sind wie ich: Ich bin Unterstützende Stabilisatorin im TMS“ geschrieben. Und auch das hat noch nichts mit der Person zu tun.

Bei der dritten Ebene wird es spannend.

Was ist Familienüberblendung im Team?

Familienüberblendung im Team bedeutet: Wir bauen unsere Familie, unsere Dynamik, das, was wir als Kind erlebt haben, unbewusst um uns herum wieder auf. Den Begriff und wie er bei Führungskräften wirkt, habe ich in „Familienüberblendung: Aufstellung für Führungskräfte“ ausführlich erklärt.

Solange alles im Team gut läuft, brauchen wir uns keine Gedanken machen. Dann sind wir happy, dass wir inhaltlich gut vorankommen. Schwierig wird es, wenn wir merken: Es klappt im Team nicht. Und noch heftiger wird es, wenn Du merkst: Oh. Das kommt mir doch alles irgendwie bekannt vor.

Wenn ich als Kind Stress mit meinem Onkel hatte, kann es sein, dass mein Onkel jetzt plötzlich wieder auftaucht. Im Team. Als Kollegin.

Ja, als Kollegin. Lass Dich nicht vom Geschlecht irritieren. Mein Onkel ist natürlich männlich. Aber es kann genauso eine Frau sein, die die Struktur hat wie der Onkel. Und die triggert diese Dinge.

Du kommst mit Deiner Kollegin nicht zurecht. Und warum? Weil sie die Struktur von Deinem Onkel hat. Du wirst unbewusst daran erinnert. Und Du versuchst, hier und jetzt den alten Konflikt mit Deinem Onkel zu klären. Dabei geht es eigentlich ums Hier und Jetzt. Und um Deine Kollegin.

Wie geht die Übung „unscharf anschauen“?

Ganz einfach. Du brauchst dafür keine Aufstellung und keinen Coach. Nur ein paar ruhige Minuten.

  1. Geh raus aus dem Kontext. Setz Dich hin, lehn Dich zurück. Oder unter der Dusche. Hauptsache nicht im Büro.
  2. Schau die Person innerlich unscharf an. Nicht genau hingucken, sondern so ein bisschen verschwommen.
  3. Frag Dich: An wen erinnert mich der oder die denn? Geh einfach davon aus, dass es jemand aus Deiner Kinderzeit sein könnte. Ein Nachbar, ein Verwandter, jemand ganz Nahestehendes.
  4. Leg Dich beim Geschlecht nicht fest. Das kann sich ändern.
  5. Frag Dich, woran genau es liegt. Manchmal ist es was Äußerliches: Die sieht aus wie Mami. Und manchmal sind es Sprachmuster oder Verhaltensmuster, die Dich an Mami erinnern. Oder an wen auch immer.

Das ist die ganze Übung. Unscharf anschauen und schauen: An wen erinnert mich der?

Der Satz, der die Überblendung löst

Wenn Dich die Kollegin tatsächlich an Deinen Onkel erinnert und Du als Kind einen Konflikt mit ihm hattest, kommt der nächste Schritt. Das ist so eine Art innere Aufstellung. Im Seminar machen wir das auch im Raum.

Zuerst siehst Du das Bild: Dich und den Onkel.

Dann stellst Du Deine Kollegin daneben. Und sagst zu ihr:

Du bist die Karla. Du bist nicht mein Onkel. Du bist eine Fremde für mich. Du hast nichts mit meinem Onkel zu tun.

Das klingt fast zu einfach. Ist es manchmal auch.

Und wenn das nicht reicht?

Dann lohnt sich ein Gespräch. Wir schauen genauer hin. Ist das mit dem Onkel noch so stark? Ist es diese Überblendung allein? Oder hatte der Onkel im Familiensystem eine bestimmte Dynamik, und genau diese Familiendynamik wirkt jetzt im Unternehmen?

Nur durch genaueres Nachfragen zeigt sich der Weg, was man als nächstes machen kann.

Und eine Aufstellung? Die braucht es dann, wenn ein großes Fragezeichen bleibt. Wenn man es durch andere Methoden nicht klären kann. Geht es um das ganze Team, zeigt eine Aufstellung die Plätze im Team und wo jemand auf der falschen Position sitzt. Wie das bei mir abläuft, beschreibe ich in „Familienüberblendung: Aufstellung für Führungskräfte“.

Wir starten mit einem kurzen Vorgespräch, persönlich in Waldenbuch bei Stuttgart. Wenn es passt, erteilst Du mir einen Auftrag. Die Aufstellungen selbst finden online statt, im geschützten Rahmen.

Und Du?

Gibt es in Deinem Team jemanden, mit dem es immer wieder kracht? Kommt Dir das irgendwie bekannt vor? An wen erinnert Dich diese Person?

Probier es aus. Unscharf anschauen. Vielleicht erlebst Du eine Überraschung.

Und wenn Du dabei hängenbleibst: Schreib mir für ein kurzes Vorgespräch. Dann sehen wir, ob wir zusammenpassen.

Es beginnt in Dir.

Viele Grüße, Andrea

Häufige Fragen zu Konflikten im Team und Familienüberblendung

Woran erkenne ich, ob ein Teamkonflikt wirklich sachlich ist?

Frag Dich, ob Du mit der Sache nicht einverstanden bist oder mit der Person, die sie vorträgt. Wenn derselbe Vorschlag von jemand anderem plötzlich gut ankommt, liegt es selten an der Sache.

Was ist Familienüberblendung im Team?

Familienüberblendung im Team heißt, dass wir unbewusst unsere Familie im Team nachbauen. Eine Kollegin hat die Struktur des Onkels, der Mutter oder des Bruders, und wir versuchen, einen alten Konflikt mit ihr zu klären.

Kann mich eine Kollegin an einen männlichen Verwandten erinnern?

Ja. Das Geschlecht spielt keine Rolle. Entscheidend ist die Struktur: Aussehen, Sprachmuster oder Verhaltensmuster.

Was kann ich selbst gegen Familienüberblendung tun?

Schau die Person außerhalb der Arbeit innerlich unscharf an und frag Dich, an wen sie Dich erinnert. Dann trenn die beiden innerlich: „Du bist nicht mein Onkel. Du bist eine Fremde für mich.“

Wann brauche ich eine Aufstellung?

Wenn die Übung nicht reicht und auch im Gespräch ein großes Fragezeichen bleibt. Bei Teams zeigt eine Aufstellung zusätzlich, wer auf welcher Position sitzt.

Grün-gelbes Mandala mit roten Fliegenpilzen und feinen Wurzelfäden als Symbolbild für Konflikte im Team

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Andrea Sam, Coach und Beraterin, vor Felsen in der Natur

Ich bin Andrea Sam — Coach, Beraterin und Seminarleiterin mit jahrzehntelanger Erfahrung in Kommunikation, Konfliktmanagement und persönlicher Entwicklung. Ich begleite Menschen, die Klarheit suchen — im Gespräch, in schwierigen Situationen und in sich selbst. Mein Ansatz ist ganzheitlich, nah am Menschen und nah an der Wirklichkeit.

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