Ich sitze auf meinem Platz. Eben noch ganz ich. Dann übernehme ich die Rolle. Ich stehe für einen Schmerzpunkt. Und auf einmal fängt es an zu krachen.
Nein, nicht im Raum. In mir.
Ich bewege mich, drehe die Schultern, strecke den Rücken. Knack. Und wieder. Knack. Wie ein permanentes Einrenken. Meine ganzen Knochen krachen, immer wieder. Hui. Was ist denn das?
Die Frau, die aufgestellt hat, kennt das. Genau das macht sie selbst. Den ganzen Tag. Sie hat einen Schmerzpunkt im oberen Rücken, der immer wieder auftaucht, und sie renkt und renkt. Ihre Frage an die Aufstellung war einfach: Warum kommt dieser Schmerz immer wieder?
Also fragt sie mich. Und mit der Zeit wird klar: Ich bin nicht nur der Schmerzpunkt. Ich bin ihr Vater.
Ihr Vater. Der Mann, an dem sie sich ein Leben lang gerieben hat. Der schwierige. Der, mit dem es eben nicht ging.
Und dann zeigt sich etwas anderes. Dieser Vater ist als Kind von einer Mauer gefallen. Einfach die Mauer am Haus. Ein bisschen draufgängerisch war er wohl. Aber eben ein Kind. Verspielt, unbeschwert. Und dann passiert es. Einmal fallen reicht.
Ab dem Tag hatte er die Folgen zu tragen. Sein ganzes Knochengerüst war verschoben. Auch als erwachsener Mann musste er sich immer wieder alles einrenken.
Knack. Und wieder. Knack.
Na, merkst Du was?
Was er will? Gesehen werden. Nicht als der Erwachsene, der er später war. Sondern als das Kind, das er auch mal gewesen ist. Dem etwas passiert ist.
Kurz zeigt sich noch der Vater mit 40. Aber der ist nicht wichtig. Wichtig ist das Kind.
Die Frau fragt: „Warum tauchst Du immer wieder auf?”
Tja. Weil das die Bitte ist. Sieh mich auch so. Nicht nur so.
Ehrlich, das hat mich in dieser Aufstellung berührt: Da renkt jemand jahrelang an sich herum, und der Schmerz ist gar nicht nur ihrer. Er klopft an. Immer wieder. Bis jemand hinschaut.
Übrigens: Ob der Vater noch lebt, spielt dabei keine Rolle.
Wenn ich es in eine Kurzformel bringe: Der Vater möchte auch als Kind gesehen werden.
Ich bin gespannt, ob ihr Schmerzpunkt demnächst verschwindet. Jetzt, wo sich der Vater als Kind gesehen fühlt.
Und nein, der Frau war nicht bekannt, dass ihr Vater einmal von einer Mauer geflogen ist.
Ich stand hier ja als Resonanzgeberin für jemand anderen. Drei Menschen in meiner Umfrage hatten genau so ihr stärkstes Erlebnis: nicht in der eigenen Aufstellung, sondern im Feld für jemand anderen. Was die 36 sonst noch erzählt haben, liest Du in „Wofür hilft eine Aufstellung wirklich?“.
Wie sich hinter einer ganz anderen körperlichen Beschwerde etwas zeigen kann, erzähle ich in „Du atmest verkehrt herum“.
Was sich hinter einem Schmerz verbirgt, weiß man vorher nicht. Wenn Du es für Dich herausfinden möchtest: In meinen Resonanzabenden kannst Du Dein eigenes Thema aufstellen.