12 von 12 – Mein zwölfter August

Zwölfter August, zwölf Fotos – diesmal mit einer Sonnenfinsternis obendrauf, mit der ich nicht gerechnet hatte. Zwischen Flightradar, Kaffeepanne, einem Buch, das ich weggelegt hab, und einem Interview, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht.
Zweite Aufnahme der Sonnenfinsternis mit besonderem Lichtspiel

Zwölfter August. Zwölf Fotos. Klingt nach Zahlenspielerei, ist aber eigentlich ganz einfach: ein Tag, in Bildern, so wie er kam. Diesmal mit Sonnenfinsternis obendrauf – eine nette Überraschung, mit der ich vorher nicht gerechnet hatte.

Dreizehn Grad dort, dreißig hier

Als Erstes hab ich morgens meine App aufgemacht. Nicht Mails, nicht Nachrichten – Flightradar. Ich wollte wissen, wie weit die Familie schon ist. Sie sind unterwegs in den Urlaub, zur Verwandtschaft, die unten in Südafrika lebt. Dort ist gerade Winter. Dreizehn Grad hat es deshalb morgens. Dreizehn! Während wir hier oben fast verschmachten, über dreißig. In wenigen Minuten könnten sie den Flieger verlassen. Ich lieg ehrlich lieber in meinem Bett, als nachts im Flieger zu sitzen. Wobei – dort unten sein, wäre jetzt gerade auch nicht das Schlechteste.

Während das Handy noch lädt, wandert mein Blick an die Wand. Und da ist es: Der Baum vorm Fenster wirft sein Schattenbild an die Wand, und es sieht einfach toll aus. Ich hab noch schnell fotografiert. Gut so. Eine halbe Stunde später, ich hatte gerade die Waldenbucher Blättle fertiggelesen, war schon wieder alles weg. Solche Momente. Man muss sie nehmen, wenn sie da sind.

Was ist in Waldenbuch passiert?

Die Blättle hole ich mir übrigens immer im Bündel bei meinen Eltern ab. Dann les ich sie in einem Rutsch durch. Nicht weil da Sensationen drinstehen. Ich will wissen, was in Waldenbuch passiert ist, falls ich was verpasst hab. Im Moment erschreck ich mich dabei eher regelmäßig, wer alles gestorben ist. Naja. Auch das gehört dazu.

Weniger Früchte, aber genug

Auf dem Weg zum Kaffee bin ich an meinem Pfirsichbaum vorbeigekommen. Mein Auto steht direkt drunter, da beobachte ich ihn eigentlich jeden Tag. Letztes Jahr war er brechend voll. Dieses Jahr hat er weniger Früchte. Aber es werden genug sein.

Kaffee gab’s dann in der Röstkammer in Altdorf. Der Cappucino schmeckt mir dort am Besten. Diesmal mit kleiner Geschichte dazu: Mein Mann hat den Besitzer so ins Gespräch verwickelt, dass ihm die Latte Art misslungen ist. Aber als erfahrener Barista hat er einfach was Neues draus gemacht. So ist das Gesicht entstanden, das Gemälde, das Du auf dem Foto siehst. So ist das manchmal. Aus was, das misslingt, wird am Ende doch was Schönes.

Über die Wirkung von Kaffee hab ich ja schon mehrfach geschrieben. Ich beobachte das immer wieder an mir. Auch heute wieder eine spezielle Wirkung: Mittags war ich überhaupt nicht müde. Und heute Abend werd ich wohl auch nicht mehr früh ins Bett kommen.

Was die Leute so erzählen

Ich hab dort auch ein Selbstporträt im Garten gemacht. Heute sollten es ja wieder über 35 Grad werden – da hab ich nicht damit gerechnet, dass ich noch eine Jacke brauche. Doch, ich musste eine alte Jacke aus dem Auto holen. Es war mir einfach zu kühl. Ehrlich, kühl! Passt überhaupt nicht zu meinem Outfit. Aber wärmt. Und während ich da so saß, hab ich wieder gemacht, was ich gern mache: den Menschen um mich rum zugehört. Was sie beschäftigt, worüber sie reden. Manchmal denk ich dabei, wow, das seh ich ja ganz anders. Und manchmal bin ich richtig betroffen – weil ich das Gefühl hab, die haben gestern Abend nur den Fernseher eingeschaltet und wiederholen jetzt einfach, was sie dort gehört haben.

Wissen, wo die Kartoffel gewachsen ist

Dann die Bestellliste vom Gemüsebauern. Der Biobauer bei uns ist ein junger Mann, den ich einfach gern unterstütze. Er baut regional an, direkt hier vor Ort. Ich weiß, wo meine Kartoffeln gewachsen sind – das ist mir was wert. Er ist engagiert, begeistert bei der Sache, baut sich gerade seine Zukunft auf. Und ehrlich, lieber unterstütz ich so jemanden direkt, als irgendwo Geld hinzuspenden, wo ich nicht weiß, was draus wird.

Ein Buch, das ich weggelegt hab

Zwischendurch wollte ich ein Buch lesen. „Warte auf mich am Meer“ von Amy Neff. Hab ich dann aber weggelegt. Der Aufbau der Story war mir zu krass. Ein Freitod im Alter, aus Sehnsucht nach dem Partner – damit will ich mich gerade einfach nicht beschäftigen. Passt für mich gerade nicht. Nicht jedes Buch trifft einen im richtigen Moment.

Mitarbeiter zuerst, nicht der Gast

Und dann, nachdem ich das Buch weggelegt hatte, hab ich überlegt, was ich stattdessen mache. In meinen Mails hatte die Systemische Gesellschaft Berlin ein Interview empfohlen – mit Caroline von Kretschmann. Das hab ich mir angehört. Und da muss ich jetzt wirklich einen guten Absatz draus machen, weil mir das wichtig ist.

Die Frau geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Ihre Ideen, ihr Weg – das ist einfach beeindruckend. Im Podcast „Zwischen den Zeilen“ erzählt Dr. Caroline von Kretschmann im Gespräch mit Bettina Böttinger, wie sie zum Europäischen Hof in Heidelberg gekommen ist. Ein Familienunternehmen in vierter Generation, fünf Sterne. Sie hat selbst auch als Beraterin gearbeitet und kennt deshalb genau die Unterschiede, auf die man in einem Familienunternehmen achten muss – darüber hat sie im Interview auch gesprochen, das hat es nochmal richtig interessant gemacht. Und sie beschreibt, wie sie mit ihren Mitarbeitern umgeht: Die Kollegen kommen bei ihr an allererster Stelle. Nicht der Gast. Das ist in der Hotellerie eigentlich ganz anders üblich – dort heißt es sonst immer, der Gast kommt zuerst. Sie macht das komplett umgekehrt. Ein spannendes Interview mit einer interessierten, begeisterten, eigenwilligen Frau, die einfach ihren ganz eigenen Weg geht. Beeindruckend, wirklich.

Vom Badezimmerfenster aus

Am Abend dann noch die große Sonnenfinsternis. Ich erinnere mich noch richtig gut an die vom 11. August 1999. Damals hab ich hier im Garten gestanden und gesehen, wie alles dunkel wurde. Wie es plötzlich still wurde. Deswegen war ich gespannt, wie es sich heute zeigt.

Meine Sonnenfinsternisbrille hab ich sogar sofort wiedergefunden. Bin richtig stolz drauf – so schnell find ich sonst eher selten was von vor über 20 Jahren.

Die Sonne selbst ließ sich natürlich nicht direkt fotografieren. Fotografiert hab ich durch die Brille – nicht direkt in die Sonne, sondern ihr Spiegelbild im Fenster. Handy und Augen wollte ich schließlich nicht schrotten. Deshalb sind die Bilder klein und spiegelverkehrt, aber trotzdem zwei ganz nette, farbige Aufnahmen geworden. Auch wenn es mit bloßem Auge ganz anders aussah. Leider hab ich nicht mehr gesehen, wie die Sonne wieder aus dem Kernschatten austrat – sie ist einfach plötzlich hinterm Berg untergegangen.

Eigentlich wollte ich extra wegfahren, um besser zu sehen. Dann hat mein Mann entdeckt: Vom Badezimmerfenster aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf die untergehende Sonne. Perfekt.

Diese Sonnenfinsternis war nicht annähernd so spektakulär wie 1999. Ganz anders als damals. Trotzdem: Auch heute wurde es spürbar ruhiger. Ich bin gespannt, was meine Nachbarn und Freunde erzählen, was sie erlebt haben. Das hier sieht eigentlich wie normale Abendstimmung aus.

Und dann noch der schönste Gedanke zum Schluss: Die Familie, die heute in Südafrika gelandet ist – die hat von der ganzen Sonnenfinsternis gar nichts mitbekommen. Während ich hier vom Badezimmerfenster aus gestaunt hab, sind die einfach auf einem anderen Kontinent angekommen. Jeder hatte heute seinen eigenen Tag. Und das war meiner.

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Andrea Sam, Coach und Beraterin, vor Felsen in der Natur

Ich bin Andrea Sam — Coach, Beraterin und Seminarleiterin mit jahrzehntelanger Erfahrung in Kommunikation, Konfliktmanagement und persönlicher Entwicklung. Ich begleite Menschen, die Klarheit suchen — im Gespräch, in schwierigen Situationen und in sich selbst. Mein Ansatz ist ganzheitlich, nah am Menschen und nah an der Wirklichkeit.

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