Es ist Sommer, ein weiterer heißer Tag steht bevor. Als wir um 7.30 Uhr aus dem Haus gehen, fällt mir sofort unser Apfelbaum ins Blickfeld: Aha, dieses Jahr wird es wirklich mal Äpfel geben. Der Baum hängt voll. Selbst wenn er noch einige Äpfel abwirft: Es wird dieses Jahr definitiv einige geben. Sie wachsen – man könnte fast beim Wachsen zusehen.

Schnell noch ein Blick aufs Thermometer. 16 Grad. Bei uns kühlt es noch gut ab, und wir wohnen so, dass es immer 2 Grad kälter ist als im Ort.

Mein Mann hat bereits das Rad auf dem Auto, wir fahren an den See. Hui, da ist der Parkplatz schon ungewohnt voll. Vielleicht ist wieder eine Taufe. Wir stehen etwas außerhalb der gewohnten Fläche, und ich merke: Huch, da ist ja ein Häuschen, das hatte ich so noch nie registriert.

Auf aufs Fahrrad und einmal den See umrunden. Eine schöne Strecke, vorbei am FKK-Platz – er ist um diese Zeit noch leer –, durch mehrere Hohlwege. Ich komme mir vor wie in der Disco bei flackerndem Licht: Die Sonne scheint in die Hohlwege, auf dem Rad habe ich einen permanenten Wechsel zwischen Licht und Schatten.

An meinem Badeplatz sehe ich: Ich habe recht gehabt. Es sind viele Menschen da, die gerade eine Tauffeier veranstalten, ungefähr 6 junge Leute. Immer wieder erleben wir hier Tauffeiern. Meist haben sie eine besondere Stimmung. Oft sehr religiös, oft sehr konservativ, manchmal wirkt es fast altertümlich. Heute war’s unauffällig. Wobei es immer auffällt, dass die Menschen sehr gläubig wirken, aber wenn wir uns auf dem Weg zum See treffen und grüßen wollen, nehmen sie uns nicht wahr. Das ist immer etwas komisch.

Beim ins Wasser gehen traf ich eine Schwimmbekannte. Wir treffen uns immer wieder morgens am See. Manchmal reden wir miteinander, manchmal schwimmt jede ihren Weg. Heute kamen wir ins Gespräch, über die Kirche, über Gottesdienst, über Katholisch sein. Und innerhalb von Minuten erzählte sie mir von ihrem größten Schmerz: dem Selbstmord ihres Sohnes, und wie der katholische Pfarrer damals reagiert hatte. Den Tod selbst hat sie gut bearbeitet, ihr Sohn hat einen wunderbaren Platz in ihrem Herzen und in der Familie. Der Pfarrer hat ihr damals sinngemäß zu verstehen gegeben, die Schuld liege beim Vater – eine Aussage, die tief aus seinem sehr konservativen Glaubenssystem kam. Zudem machte er sie darauf aufmerksam, dass Selbstmörder früher außerhalb des Kirchhofs beerdigt wurden. Sie war vorher schon nicht sehr kirchennah, aber das habe ihr endgültig den Rest gegeben – sie hat den Weg aus der Kirche eingeschlagen. Nachdenklich fuhr ich heim. Was Menschen so anrichten können. Und welche Last Menschen tragen.
Auf dem Heimweg aß ich erst mal eine Banane.

Um die Mittagszeit sind wir in ein Café gefahren. Mittags esse ich oft ein Eis. Doch welche Sorte gibt es heute? Mein Mann machte ein Foto von der Eiskarte.

Ich saß im Garten des Cafes. Es ist einfach klasse, was da für eine große Wiese vor uns liegt.

Wie am Waldrand eines Mischwaldes sthen hier Fichte Birke und Kiefer.
Wo kann man noch so naturnah bequem sein Eis essen?

Zu Hause, neben meinem Parkplatz, sah ich, was mein Mann für eine Konstruktion gemacht hat, um den Pfirsichbaum zu stützen. Es wird nicht viele Pfirsiche geben, aber ein paar, und sicher wird es den Ast wieder nach unten – auf mein Auto – drücken. Damit das nicht passiert, hat mein Mann den Ast abgestützt. Ich wäre radikaler gewesen, hätte den Ast abgesägt. Aber gut. So habe ich mir erklären lassen, was er mit der Schnur und der Stütze sagen will und wofür es gut ist.

Gegen Abend rief eine Freundin an und wollte ein Rezept. Ich hatte ihr vorgeschwärmt, dass ich den Brotteig als Focaccia-Boden verwende. Das hat sie interessiert. Es ist ein glutenfreier Teig. Boh, mein Buch ist ganz schön gebraucht. Ja, ich nehme es auch oft in die Hand. Da kann man die Lieblingsrezepte sofort erkennen.

Den Sonntagabend habe ich mit einem Roman ausklingen lassen. Spannend, mal einen Roman zu lesen, der am Bodensee spielt, in einer Umgebung, die mir recht vertraut ist. Da kommt die Überlegung: Wann fahr ich mal wieder an den Bodensee?
