Spreche ich Chinesisch?

Mandala in Rot

Kennst du dieses Gefühl, zu reden – und trotzdem nicht anzukommen?

Du erklärst dich, bemühst dich, findest Worte – und trotzdem entsteht der Eindruck: Der andere versteht dich nicht. Oder will dich nicht verstehen.

Dann taucht innerlich diese Frage auf:
Spreche ich eigentlich Chinesisch?

Dieser Text geht der Frage nach, warum Gespräche scheitern – und was du tun kannst, um wieder in echten Kontakt zu kommen.

Wann entsteht das Gefühl: „Ich werde nicht verstanden“?

Die Frage „Spreche ich Chinesisch?“ taucht nicht auf, wenn Kommunikation gut läuft.
Sie kommt dann, wenn sich mindestens eine Seite nicht verstanden fühlt.

Und ja – es kann tatsächlich sein, dass man so weit voneinander entfernt ist, dass echtes Verstehen kaum möglich ist. Beim besten Willen nicht.

Warum das so ist – und wie man trotzdem wieder Brücken bauen kann – darum geht es hier.

Aber zunächst:
Wie geht Verstehen eigentlich?
Wodurch werde ich verstanden?
Und was braucht es dafür?

Sind wir überhaupt anwesend?

Wenn ich im Gespräch etwas gesagt bekomme, ist die erste Frage:

Bin ich überhaupt da?
Bin ich gesprächsbereit?
Bin ich aufnahmefähig – und aufnahmewillig?

Wenn zu Hause ein Kind krank ist, hört man der Kollegin bei ihrem Schminkproblem nur halb zu. Die Welten liegen zu weit auseinander. Die innere Beschäftigung mit dem kranken Kind nimmt den ganzen Raum ein.

Also lautet die erste entscheidende Frage:

Sind beide Gesprächspartner innerlich anwesend?

Aufnahmebereitschaft ist nicht immer sichtbar

Manchmal sieht man es:
Der Blick schweift ab. Jemand wirkt unruhig.

Aber oft erkennt man es nicht.

Die Frage „Hörst du mir eigentlich zu?“ wirkt schnell wie ein Angriff.
Eigentlich müsste man manchmal sagen:
„Ich habe gerade keine Kapazität.“

Doch das trauen sich viele nicht.
Nein zu sagen.
Zu sagen: Ich kann gerade nicht zuhören.

Wenn alte Erfahrungen blockieren

Kennst du deinen „Pappenheimer“?

Du weißt: Peter redet immer lang und umständlich.
Und innerlich schaltest du schon vorher ab.

Die Augen rollen. Du bist weg.

Peter hat dann kaum noch eine Chance. Das Gespräch wird immer wieder „Chinesisch“.

Dabei bleibt eine wichtige Frage oft unbeantwortet:
Warum redet Peter so umständlich?

Meist ist das eine Folge früherer Kommunikationserfahrungen, die für ihn nicht gut waren.
Er bringt sein inneres Muster ins nächste Gespräch mit.

Innere Themen ohne Worte

Auch ohne große Vorbehalte kann es sein, dass ich heute nicht zuhören kann.

Mein Zahn schmerzt – das könnte ich sagen.
Mein Mann ist fremdgegangen – das eher nicht.

Es gibt Themen, die uns innerlich besetzen. Dinge, die wir nicht aussprechen wollen.

Manchmal würde es helfen zu sagen:

„Mir geht gerade etwas Privates durch den Kopf. Können wir morgen reden?“

Das wäre eine Brücke.

Aber will ich morgen wirklich reden?
Will ich mir das überhaupt anhören?

Wenn der Tonfall alles überdeckt

Dann gibt es noch eine weitere Ebene:
Wir hören nicht mehr den Inhalt, sondern nur noch den Ton.

„Du spinnst.“
„Wie kannst du das tun?“
„Du bist unmöglich.“

Bei solcher Sprache ist der Inhalt kaum noch zugänglich.
Er wird zum Beweis einer angeblichen Schuld.

Also schalte ich ab.

Warum sollte ich zuhören, wenn ich mich keiner Schuld bewusst bin?

Abwehr und innere Distanz

Bin ich innerlich schon auf Abwehr, formuliere ich während des Zuhörens meine Gegenargumente.

Das merkt man.
Antworten passen nicht richtig.
Das Gespräch driftet.

Manchmal wirkt es höflicher: Man nickt, scheint zuzuhören – ist aber innerlich längst weg.

Faktisch hat das Gespräch nicht stattgefunden.
Der Empfänger war abwesend.

Was also tun?

Verhindern lässt sich das alles nicht vollständig.
Aber man kann versuchen, den anderen besser zu erreichen.

Das beginnt mit Vorbereitung.

Was will ich wirklich erreichen?
Was soll der andere konkret tun?
Ist das machbar? Realistisch?
Und wie gehe ich mit einem Nein um?

Denn der andere hat einen freien Willen.

Zeit und Bereitschaft klären

Frage, ob jetzt ein guter Moment für ein Gespräch ist.

Falls nein: Wann dann?
Falls grundsätzlich nein: Was mache ich damit?

Allein diese Klärung verändert viel.

Über mich sprechen – nicht über den anderen urteilen

Es ist leichter zuzuhören, wenn jemand über sich spricht:

Wie es ihm geht.
Was er braucht.
Was er sich wünscht.

Dann beschreibe sachlich, was passiert ist.
Und benenne, was es mit dir gemacht hat.

Danach innehalten.

Hat der andere verstanden?
Kann er sehen, dass es für dich so ist?

Schon das ist ein großer Schritt.

Wenn der andere sofort angreift

Oft kommt man gar nicht so weit.

Der andere geht direkt in den Gegenangriff.
Nicht aus Bosheit – sondern weil etwas in ihm berührt wurde.

Auch das ist Teil von Kommunikation.

Was will ich eigentlich vom anderen?

Bevor ich weiter erkläre.
Bevor ich mich innerlich zurückziehe.
Bevor ich denke: Der versteht mich einfach nicht.

Lohnt es sich, kurz innezuhalten.

Und mich zu fragen:

Was genau will ich eigentlich von dir?

Nicht:
„Ich will, dass du mich ernst nimmst.“
Oder: „Ich will mehr Verständnis.“

Sondern:

Was soll der andere konkret tun?
Was soll er sagen?
Was soll er lassen?

Woran würde ich merken, dass er mich verstanden hat?

Was heißt für mich eigentlich:
„Sei für mich da“?

Machbar ist zum Beispiel:

„Bitte hör mir zehn Minuten zu,
ohne auf dein Handy zu schauen.
Und schau mich dabei an.“

Oder:

„Frag mich einmal am Tag, wie es mir geht.
Und hör dir meine Antwort wirklich an.“

Oder:

„Wenn wir mit anderen sprechen,
stell dich neben mich und nicke.
Als Zeichen, dass du es auch so siehst.“

Dann habe ich das Gefühl,
dass du mir den Rücken stärkst.

Nur zu sagen:
„Stärke mir den Rücken“ reicht nicht.

Das bleibt unklar.

Erst durch konkrete Beispiele
wird der Wunsch für den anderen greifbar.

Und erst dann hat er eine Chance,
ihn wirklich zu erfüllen.

Spreche ich Chinesisch? – Und was ich konkret tun kann

Und am Ende bleibt die Frage:

Was tun, wenn ich mich frage:
Spreche ich Chinesisch?

Vielleicht geht es dann nicht darum, noch mehr zu reden.
Sondern klarer.

Nicht lauter.
Sondern verständlicher.

Manchmal beginnt Verständigung nicht beim anderen.

Sondern bei der eigenen Klarheit.

Wenn du merkst, dass dich diese Frage begleitet –
dass du oft das Gefühl hast, nicht anzukommen –
kann es hilfreich sein, erst einmal selbst zu sortieren,
was du wirklich sagen willst.

Im Abend der Klarheit in einer kleinen Online-Gruppe.
Oder im Klarheitskompass im Einzelgespräch.

Nicht, um dich zu optimieren.
Sondern um dein Anliegen so zu klären,
dass es für dich – und für andere – verständlich wird.

Manchmal reicht ein Gespräch.

👉 Der Abend der Klarheit bietet dir Austausch und Orientierung in einer kleinen Online-Gruppe.
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Andrea Sam