Die Wahrheitsbrille – was wirklich dahintersteckt

Am 1. April habe ich die Wahrheitsbrille vorgestellt – ein Produkt, das Wahrheit sichtbar macht. Viele haben geschmunzelt, manche haben gezögert. Aber der Gedanke dahinter ist sehr real. Hier ist, was mich wirklich dazu bewegt hat.

Hier findest Du den Link zum Artikel über die Wahrheitsbrille

Viele Wahrheiten oder eine?

Als Kommunikationsberaterin lernt man eines sehr früh: Es gibt viele Wahrheiten. Gemeint ist damit – es gibt so viele Sichtweisen auf dieselbe Sache, wie es Menschen gibt. Und genau das ist von zentraler Bedeutung. Denn erst wenn man die unterschiedlichen Sichtweisen kennt, kann man sich wirklich ein Bild machen.

Die Kunst dabei: dem anderen wirklich zuhören. Seine völlig andere Sichtweise stehen lassen – als seine Wahrheit. Wenn man versteht, warum jemand so sieht, wie er es sieht, lassen sich manche Konflikte fast von selbst lösen.

Ich lief also lange mit diesem Glaubenssatz durchs Leben: Es gibt viele Wahrheiten.

Bis ich vor einiger Zeit bei einem Autor las: Es gibt nur eine Wahrheit.

Moment – es gibt doch viele???

Ich musste intensiv darüber nachdenken. Das Beispiel, das er brachte, war einfach: Wenn eine Kokosnuss vom Baum fällt, dann ist das wahr – auch wenn niemand dabei war. Die Wahrheit existiert, unabhängig davon, ob sie jemand gesehen hat.

Und genauso ist es mit vielen Dingen: Es gibt eine Wahrheit darüber, warum jemand Bauchweh hat. Nur kennen wir sie oft nicht. Wir sagen heute: Das war der Blinddarm. Aber warum meldet sich genau dieser Blinddarm, bei diesem Menschen, genau jetzt – und bei einem anderen nicht? Da könnte eine Wahrheitsbrille die tatsächlichen Ursachen sichtbar machen. So aber können wir nur sagen, was unser heutiger Wissensstand ist, und was wir glauben, woher das Bauchweh kommt. Was wirklich dahintersteckt – das ist die Wahrheit. Aber keiner von uns kennt sie.

Was wäre, wenn wir wirklich sehen könnten?

Also ganz einfach: Ein Mann wirft eine Tasse auf den Boden. Wenn wir die Wahrheit wüssten – oder die Wahrheitsbrille hätten – würden wir sehen: Was waren seine Gedanken? Was war seine Absicht? Was ist vorher passiert?

Das Problem ist nur: Wir sehen das alles nicht. Wir können es nicht wahrnehmen. Trotzdem war es genau so, wie es war. Da wir nicht wissen, was er gedacht und getan hat, was ihm durch den Kopf ging, fangen wir an zu bewerten. Einzuschätzen. Wir fragen andere. Auch Gerichte müssen so arbeiten – weil wir eben nicht wissen, was wahr ist.

Aus diesem Gedanken heraus ist die Wahrheitsbrille entstanden. Denn bei so vielen Dingen fände ich es total interessant zu wissen: Was ist wahrhaftig passiert?

Wollen wir die Wahrheit überhaupt wissen?

Und hier wird es interessant. Wenn wir wirklich sehen könnten, was wahr ist – würden wir es akzeptieren? Würden wir es überhaupt für wahr erachten?

Ich glaube, das wäre besonders schwer. Weil wir so konditioniert sind, dass wir für vieles eine Erklärung haben. Wir bewerten, warum etwas so ist und nicht anders. Wenn unsere Konditionierungen, unser Wertesystem plötzlich keine Rolle mehr spielen würden – könnten wir noch einmal ganz anders auf die Wahrheit blicken.

Und wollen wir die Wahrheit eigentlich wissen?

Will die Frau wirklich wissen, ob der Mann fremdgeht? Will das Kind wirklich wissen, was die Mutter über es denkt? Will die Mutter wirklich wissen, was ihr Teenager über sie denkt?

Die eigene Wahrheit ist die schwerste

Oft ist es gar nicht die Wahrheit über andere, die anstrengend ist – sondern die eigene.

Kein Tier lügt dich an. Bei Tieren ist die Wahrheit unmittelbarer – sie verbiegen sich nicht, erzählen sich nichts, um mehr geliebt zu werden. Wir Menschen tun das. Oft ohne es zu merken.

Sich einzugestehen, dass der Partner vielleicht nicht der Richtige ist. Dass man selbst nicht so behandelt wird, wie man es verdient. Das ist nicht leicht.

Ich kenne eine Frau, die ein wirklich tolles Leben führte. Aber ihre Worte klangen immer, als wäre das Leben eine Last. Sie war lange nicht in der Lage, die Fülle zu sehen, die schon da war. Das änderte sich erst, als sie älter wurde.

Was war vor der Sprache?

Sprache klärt auch nicht wirklich auf – sie verschleiert oft noch mehr. Schon allein deshalb, weil es regionale Unterschiede in der Bedeutung von Worten gibt. Im Schwäbischen ist der „Fuß“ das ganze Bein, und die Sofadecke ist ein „Teppich“. Gleiche Worte, unterschiedliche Bedeutung – und schon entstehen Missverständnisse, noch bevor es um Inhalt geht.

Das brachte mich zum Nachdenken: Wo kommt Sprache überhaupt her? Und was war davor?

Was ist Telepathie – und wie funktioniert sie? Ich vermute, dass Telepathie der Wahrheit näher ist als unsere Sprache. Weil dabei mehr Bilder vermittelt werden und der ganze Kontext mitfliegt. Nichts muss versteckt werden – bevor man sich versieht, hat der andere die ganze Geschichte aufgenommen.

Wie würde sich unser Umgang ändern, wenn wir wirklich bei der Wahrheit bleiben würden? Ich vermute: zunächst nicht einfacher.

Aber auch mit Telepathie wüsste man nicht, woher das Bauchweh kommt.

Die Wahrheitsbrille – ein Denkimpuls

Die Wahrheitsbrille ist kein Produkt. Sie ist ein Gedankenexperiment – entstanden aus der Frage: Was würde sich verändern, wenn wir wirklich sehen könnten, was ist?

Was siehst du wirklich? Was interpretierst du? Und wie sicher bist du dir dabei?

Der Abend der Klarheit

Wenn Dich solche Fragen rund um Wahrheit, Wahrnehmung und Kommunikation beschäftigen, dann bist Du beim Abend der Klarheit genau richtig.

Ein Raum zum Zuhören, Mitdenken – und wenn es passt, auch zum Mitwirken.

👉 Den nächsten Termin und alle Infos findest Du hier:

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Andrea Sam