Kennst Du es: Du führst ein Gespräch, und hinterher denkst Du:
Was war das denn jetzt?
Oder schlimmer: Was habe ich alles gesagt?
Du merkst, Du warst gar nicht richtig da.
Irgendetwas hat Dich gefesselt, gebunden oder weg von Dir gebracht.
Sehr häufig passiert das, wenn wir mit sogenannten Autoritäten sprechen.
Wenn Du damit kein Thema hast: herzlichen Glückwunsch.
Viele von uns sind noch so geprägt – von der Erziehung, von der Schule –, dass „Experten“ recht haben. Dass sie einem etwas zu sagen haben. Ob das jetzt der Arzt ist oder der Oberboss in Deiner Firma.
Viele von uns sind so sozialisiert, dass wir gehorchen.
Wir sind still in der Schule, wenn wir still sein sollen.
Wir reden, wenn wir reden sollen.
Wir haben da viel gelernt.
Je nachdem, ob Du Dich angepasst hast oder ob Du früh Deine eigenen Wege gegangen bist.
Wenn Du Dich angepasst hast – was viele von uns aus Überlebenswillen getan haben –, merken wir das immer wieder in Gesprächen mit sogenannten Höhergestellten: dass wir uns verlieren.
Wir hören dem anderen zu und verlieren unser eigenes Tun und Wollen aus dem Blick.
Und oft sagen wir in solchen Momenten:
Ja.
Obwohl wir innerlich längst Nein meinen.
Erst hinterher, nach dem Gespräch, merken wir, wie unwohl wir uns gefühlt haben – und dass das Ergebnis uns nicht weiterhilft.
Die eigenen Muster erkennen
Wichtig ist in solchen Gesprächen zuerst einmal, dass Du weißt, dass Du dazu neigst, Dich zu verlieren und der Autorität mehr Macht einzuräumen.
Wenn Du das über Dich weißt, wird der nächste Schritt leichter.
Denn dann kannst Du im Gespräch schneller merken, wenn etwas kippt oder wenn Du Dich unwohler fühlst.
Auch wenn Du dem Gespräch nicht mehr ganz folgen kannst, kannst Du Dich fragen:
Werde ich gerade überredet?
Sage ich gerade Ja – obwohl ich Nein meine?
Soll ich wieder etwas tun, was ich eigentlich nicht will?
Wenn Du diese Fragen stellen kannst: herzlichen Glückwunsch.
Dann bist Du schon in der Lage, innezuhalten.
Wenn man es nicht merkt, hat man oft schon zugestimmt.
Eine Pause schaffen
Der wichtigste Schritt ist, sich eine Pause zu verschaffen.
Zum Beispiel:
- „Ich muss darüber nachdenken.“
- „Ich sage Dir in zehn Minuten Bescheid.“
- „Ich muss kurz zu Hause anrufen.“
- „Ich gehe kurz auf die Toilette.“
- Oder minimal: Nase putzen.
Ziel ist es, kurz aus der Situation auszusteigen, um wieder mehr Denkvermögen zur Verfügung zu haben.
Sei nett zu Dir.
Am Anfang wirst Du trotz kleiner Pausen immer wieder Ja sagen, obwohl Du Nein meinst.
Das ist normal.
Irgendwann merkst Du:
Du kommst zu kurz.
Du gibst immer nach.
Dann kommt der Zeitpunkt, an dem Du nach Alternativen fragst und merkst: Es müsste auch anders gehen.
Verlange nicht zu viel von Dir.
Das geht oft nicht von heute auf morgen.
Mit der Zeit entsteht innere Sicherheit
Wenn Du Dich länger mit dem Thema beschäftigst, spürst Du im Gespräch sehr schnell, wenn sich ein Teil von Dir unwohl fühlt oder wenn Du überredet wirst.
Du siehst es manchmal auch am Gegenüber, dass etwas nicht stimmt – dass Du in Deinen Funktionsmodus gerutscht bist.
Je schneller Du das merkst, desto einfacher ist es, wieder auszusteigen.
Du kannst dann im Gespräch schon denken und überlegen, wie es für Dich passen könnte.
Manchmal braucht es keine kurzfristige Lösung, sondern ein zusätzliches Gespräch darüber, wie man grundsätzlich mit Absprachen, Grenzen oder Erwartungen umgeht.
Ein Weg zu mehr Selbstrespekt
Wenn Du Dich auf den Weg machst, Dich ernst zu nehmen und auf Dich zu achten, wirst Du Dich immer wohler, stabiler und sicherer fühlen.
Du wirst seltener Ja sagen, wenn Du Nein meinst.
Und häufiger für Dich einstehen – ruhig und klar.
Und hinterher, nach dem Gespräch, fühlst Du Dich auch gut.
Deshalb lohnt es sich, immer bewusster in das nächste Gespräch zu gehen.
Wenn Dich solche Gespräche noch lange beschäftigen und Du nach einem Ausweg aus dem inneren Karussell suchst, habe ich hier weiterführend beschrieben, warum uns manche Begegnungen nicht loslassen:
👉 https://andreasam.com/warum-gespraeche-nicht-loslassen/
Abend der Klarheit
Wenn Du merkst, dass Dich solche Muster immer wieder einholen und Du ihnen nicht nur im Kopf begegnen möchtest, ist der Abend der Klarheit ein guter Ort dafür.
Dort schauen wir gemeinsam auf das, was in Dir wirkt – ruhig, konkret und ohne Druck.
Mehr dazu findest Du hier:
👉 https://andreasam.com/angebote/abend-der-klarheit/
Über die Autorin
| Andrea Sam ist Kommunikationsberaterin und Coach. Sie begleitet Menschen dabei, sich selbst im Gespräch besser zu verstehen, innere Klarheit zu finden und stimmig nach außen zu wirken. In ihrer Arbeit verbindet sie Erfahrung aus Beratung, Coaching und systemischer Arbeit mit feiner Wahrnehmung und viel Praxisnähe. Ihr Fokus liegt nicht auf Techniken, sondern auf Haltung, Selbstkontakt und echter Verständigung. |