Abschied und Arbeit – mein Januar 2026

Zwei leere Stühle an einem Café-Tisch im Winter

Was, schon wieder vorbei? Es war doch gerade Weihnachten.
Und doch: Die Sonne ist heller. Wenn man nach draußen schaut, ist erkennbar, wir sind im Spätwinter. Erste Knospen verdicken sich. Immer wieder schaue ich auf den Boden, ob ich schon die ersten Spitzen von Schneeglöckchen entdecken kann. Zwischendurch gibt es Schneeschauer – aber keinen Schnee, der bleibt. Das war im ganzen Januar so.

Spätwinter – und doch schon weiter

Der Blick nach draußen täuscht nicht. Etwas ist in Bewegung, auch wenn es noch ruhig wirkt. Vielleicht passt das ganz gut zu diesem Januar.

Der Jahreswechsel war diesmal anders

Der Übergang ins neue Jahr hat sich diesmal tiefer angefühlt. Anders. Spürbarer.
Ich habe lange gebraucht, um den Text Mit mir arbeiten gut zu schreiben. Warum das so war, wurde mir vor allem im Vergleich zu 2025 klar. Ich habe den Abschnitt aus 2025 bewusst im Artikel stehen lassen, damit die Entwicklung sichtbar bleibt – vielleicht vor allem für mich selbst. Denn von innen fühlt sich Veränderung oft so an, als hätte gar keine stattgefunden.

Schreiben, klären, sichtbar werden

Im Januar habe ich mehrere Blogartikel geschrieben und bestehende Texte weiterentwickelt:

Außerdem habe ich den Beitrag Mit mir arbeiten grundlegend überarbeitet.

Aufstellungen – und was sich hinter Worten zeigt

Im Januar fand die erste offizielle Aufstellung nach Franz Ruppert statt. Die nächste im Februar ist bereits gebucht.
Ich mag diese Arbeit sehr, weil wir immer wieder überrascht werden, was sich hinter scheinbar einfachen Worten verbirgt – und welche Geschichte sich entfaltet, wenn Resonanzgeber:innen befragt werden.

Gleichzeitig zeigte sich in diesem Fall auch etwas Wichtiges:
Ich arbeite zwar nach Ruppert, doch bei diesem Thema stieß die Methode an ihre Grenzen. Das ist für mich kein Problem. Ich bin nicht an eine Methode gebunden, sondern an das, was im Prozess sinnvoll ist. Ich habe verschiedene Zugänge und setze sie dann ein, wenn ich sie für passend halte.

Entscheidend ist für mich, was der aufstellenden Person am meisten dient.

In diesem Fall schlug Heike Engel von Strahlemensch einen Methodenwechsel vor. Da ich sie und ihre Arbeitsweise kenne, war ich damit einverstanden. Die Kundin ebenfalls – und sie war am Ende begeistert und sehr zufrieden.

Wenn Abschied ins Leben tritt

Ein guter Freund, ein starker Mann, ist schwer erkrankt. Das beschäftigt mich sehr. Er kümmert sich bewusst um seinen Abschied und geht seine Schritte sehr klar. Zu sehen, dass das, was ihm früher wichtig war, keine Bedeutung mehr hat, ist schwer in Worte zu fassen: berührend, seltsam, still.

Er meldete mir auch zurück, dass er mit meinen Blogtexten nichts anfangen könne. Das hat mich nicht verletzt. Im Angesicht dessen, was vor ihm liegt, sind andere Themen wichtig als respektvolle Kommunikation oder deren Gestaltung. Wenn wir Kontakt haben, geht es darum wahrzunehmen, wo er steht, was ihm wichtig ist und was er von mir möchte. Und auch darum: Was macht das mit mir? Wie berührt mich die Endlichkeit unserer Körper?

In mir ist auch der Gedanke entstanden, ihn nicht nur bis zu diesem Abschied zu begleiten. Sondern ihm – wenn er das möchte – anzubieten, auch über diese Schwelle hinaus in Verbindung zu bleiben. Die Vorstellung ist mir nicht fremd: Wir haben zur gleichen Zeit, im gleichen Gebiet, jeweils unsere eigene Visionssuche gemacht. Jeder für sich – und doch gemeinsam über eine Schwelle gegangen, in einen anderen Erfahrungsraum, in dem wir einige Tage gelebt haben. Vielleicht ist es diese Erfahrung, die mich heute innerlich offen dafür macht, Begleitung nicht an einem festen Punkt enden zu lassen. Nicht als Wissen, nicht als Versprechen. Eher als Bereitschaft, weiter mitzugehen, auch wenn sich die Form von Beziehung verändert.

Erleichterung, Schuld und leise Fragen

Auch in meiner Arbeit tauchen Abschiede auf andere Weise auf.
Eine Kundin, die lange Stress mit ihrem Ex-Mann hatte, erlebte ebenfalls einen Einschnitt: Der Ex-Mann ist verstorben.

Darf man da erleichtert sein? Aufatmen? Sich befreit fühlen? Oder ist das vor sich selbst unethisch – immerhin hat man diesen Menschen einmal geliebt?

Wenn Ordnung fehlt, entstehen Kämpfe

Parallel arbeite ich weiterhin in Konflikten, unter anderem im Umfeld von Gerichten, und helfe beim Sortieren. Das empfinde ich als sehr interessant. Oft gibt es viele Thesen darüber, worum es angeblich geht. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass diese Thesen nicht stimmen.

Wenn eine Führungskraft ihre Führungsaufgabe nicht annimmt, tanzen die Mäuse. Das klingt vielleicht lustig, ist es aber nicht. Es gibt klare Gesetzmäßigkeiten: Wenn Führung nicht führt, versuchen Mitarbeitende, die Lücke zu füllen – meist aus guter Absicht. Doch das empfinden andere als ungerecht und wehren sich. So entsteht Unordnung im System.

Bewusst im Alltag

Seit Januar läuft der Jahreskurs Bewusst im Alltag.
Jeden Sonntag gibt es ein Mandala und einen Wochenimpuls, der das Bewusstsein ausrichtet. Die Teilnehmenden kümmern sich damit um sich selbst – darum, im Alltag wacher zu werden und sich bewusster zu steuern.

Kleine Alltagsgeschichten, die etwas zeigen

Ganz nebenbei ging mein Wecker kaputt. Zum Glück bin ich nachts von selbst aufgewacht und habe gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Am nächsten Tag habe ich mich hingesetzt und den Wecker aufgeschraubt. Ich wollte wissen, wie er innen aussieht – und ob ich als Nicht-Technikerin ein Problem erkennen kann. Alle Kabel waren noch verbunden, einfache Ursachen wie ein Batteriewechsel hatte ich bereits ausgeschlossen. Meine Diagnose war schließlich: Ein Bauteil muss defekt gewesen sein.

Repariert habe ich ihn nicht – ein neuer war schneller und günstiger bestellt. Trotzdem bin ich froh, hineingeschaut zu haben.

Auch habe ich mir einen neuen Drucker gegönnt. Und ich bin stolz: Ich habe ihn selbst ins WLAN eingebunden. Mein alter Drucker war sehr alt – den hatte mir mein Sohn damals besorgt. Jetzt habe ich es alleine gemacht. Und er druckt. Die Geräusche sind neu, surrend. Ich sitze gern daneben und höre zu. Es klingt nach: alles läuft wie am Schnürchen.

Beseelt nach Hause kommen

Besonders war auch eine Erkenntnis, die mir durch meinen Mann noch einmal bewusst wurde. Er sagt schon lange, ich käme glücklich von der Arbeit nach Hause. Ich wusste nie, was daran besonders sein soll. Doch er meinte: Die meisten kommen heim und klagen über Chef:innen, Kolleg:innen oder sind einfach erschöpft.

Ja, das stimmt.
Ich komme beseelt nach Hause.
Weil ich wieder Kontakt mit einem interessanten Menschen hatte, der mir aus seinem Erleben erzählt hat.

Wenn Dich diese Gedanken begleiten oder etwas in Dir in Resonanz gegangen ist, findest Du auf meiner Seite weitere Texte und Hinweise zu meiner Arbeit.

Andrea Sam
Kommunikationsberaterin & Coach
Ich begleite Menschen in Klärungsprozessen – dort, wo Gespräche, Entscheidungen oder innere Übergänge anstehen.
Klarheit entsteht innen. Wirkung beginnt, wenn Du Dich erkennst.

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Ein Kommentar

  1. Ich habe deinen Monatsrückblick sehr gerne gelesen. Zur Aufstellungsarbeit kam ich durchs Familienunternehmen. Weil ich Phänomene wahrgenommen habe, für die mir die Erklärung fehlte. Die Aufstellungsarbeit erklärt so vieles – auch im Arbeitskontext.

    Die Frage, was wirklich bedeutsam ist kam ich durch die Demenz meiner Eltern. Sie passte zu meinem inneren Prozess, aber vielleicht hat sie auch den inneren Prozess ausgelöst. Egal. Jedenfalls hat sich dadurch viel in meinem Leben geändert – im positiven Sinne.

    Jemanden auf deinem sehr bewussten letzten Weg begleiten zu dürfen ist ein besonderes Geschenk.

    Danke für Deinen Einblick und liebe Grüße, Maita

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Andrea Sam