Es sind oft die leisen Tage, die mehr zeigen als die vollen.
Dieser Sonntag hat sich ruhig entfaltet – und genau darin lag seine Tiefe.
Beim Gehen, Sehen und Begegnen sind viele kleine Gedanken entstanden.
Ich nehme Dich mit durch meinen 12. April.
12 Fotos, fotografiert am 12. eines Monats. Eine schöne Art, den Alltag zu dokumentieren. Heute ist Sonntag, der 12. April 2026.

Wenn ich aus dem Haus gehe, freue ich mich. Meine Tulpen sind kurz vor der Blüte, in einer Ecke steht noch eine Christrose. Eines Tages wuchs sie einfach da. Bis sie wieder verschwindet. Daneben mein wilder Schnittlauch. Den ernte ich täglich, und es gibt ihn immer frisch. Was brauche ich da normalen Schnittlauch?



Eine Zierjohannisbeere. Eine Pflanze, die ich vor bald 30 Jahren gepflanzt habe. Heute frage ich mich: Warum steht da keine normale Johannisbeere? Und bevor ich dann ins Auto steige, sehe ich den Birnbaum, der gerade voll in der Blüte steht.

Nachdenklich steige ich ins Auto. Wenige Meter nur aus dem Haus heraus, und schon so viele Themen. Warum ist der Garten, wie er ist? Ein Spiegel meiner Person und meines Mannes. Denn aufgrund unserer Entscheidungen ist der Garten so. Nein, falsch, wir haben Teile entschieden, aber der Garten entscheidet auch, was er wachsen lassen will – wir lassen es zu und greifen nicht ein. So wie bei dem wilden Schnittlauch und der Christrose – die übrigens noch in anderer Farbe an einer anderen Stelle wächst. Oder meine Zierjohannisbeere. Warum habe ich die je gekauft und gepflanzt? Ich weiß es nicht mehr. Mein jüngeres Ich könnte das vielleicht beantworten.

Unterwegs in unserem Café gibt es neue Bilder/Gemälde. Im Gegensatz zu der letzten Ausstellung sind diese erträglich. Sie stören mich zumindest nicht durch Düsternis, wie die letzten. Warum ich das Gemälde zeige: Wir haben Bekannte getroffen. Sie stellt ihre Kunst im September auch in diesem Café aus. Wir sind gespannt, kennen wir ihre Werke doch nicht. Wir haben uns über Kunst und unser Leben unterhalten. Nett, was da so entstehen kann, wenn man regelmäßig in die gleichen Cafés geht. Bereichert bin ich nach Hause gegangen. Das Ehepaar hat aus der berufstätigen Zeit erzählt. Ich kann nur sagen, dass ich immer wieder betroffen bin, was Frauen mit sich machen lassen. Sie war Lehrerin gewesen für besondere Kinder. Dazu musste sie mit ihrem Privatauto verschiedene Schulen anfahren. Die Zeit und die Fahrt waren privat. Nur die Unterrichtszeit wurde bezahlt. Kein Wunder, dass sie in den Burnout kam.
Nach dem Café überlegte ich, was die beste Art ist, den Sonntag zu begehen. Ich beschloss, dass ein Mittagsschlaf ansteht. Der Himmel war grau, es regnete, mein Kissen lud mich ein, eine Runde zu schlafen. Und danach? Eine Runde lesen.

Puh, das Buch ist nicht so geschmeidig für mich. Viel spannender ist die Geschichte darum. Mein Vater hat das Buch von seinem verstorbenen Freund erhalten. Er soll es weitergeben. Warum? Die alten Denker wären alle schon auf ähnliche Ideen gekommen. Nämlich? Fragte ich meinen Vater. Ja, meinte er, dass es eine Seele gäbe. Ich bin berührt, dass ich mich jetzt mit meinem Vater über die Seele austauschen kann. Wenngleich das Thema mich schon sehr lange begleitet. Aber ich spüre, was das Buch mit ihm macht, und deshalb lese ich es. Heute war ich an der Stelle: Alles fließt – Heraklit. Ja, auch wenn ich meinen Garten kenne, ist er doch nicht der gleiche wie gestern oder vor einem Jahr. Oder eben vor knapp 40 Jahren, als wir ihn anlegten.

Später erstellte ich für meinen Blog noch einige Mandalas auf dem iPad. Als es dann Zeit fürs Essen war und die Teller auf dem Tisch standen, merkte ich: Auch das ist ein Mandala. Ein Alltagsmandala. Schon vor Jahren hatte ich mal festgestellt, dass es viele Mandalas im Alltag gibt. Ich fotografiere sie seitdem immer wieder und lade sie dann zu Facebook hoch: Link. Lange bevor ich selbst so viele Mandalas herstellte. Sie sind für mich immer eine kleine Einladung zur Bewusstheit. Zum bewussten Wahrnehmen, Da-Sein. In meinem Jahresprodukt verschicke ich jede Woche einen bewussten Impuls und ein Mandala, um eine Hilfe zu sein, bewusst durch den Alltag zu kommen.


Socken stricken mache ich gerne, wenn ich etwas anhöre. Hast du auch schon gemerkt, dass die Wollqualität so schlecht geworden ist? Ich weiß ganz sicher, dass die Qualität früher besser war. Nein, nicht alles war früher besser. Aber dass die Socken nach einmal Tragen Löcher hatten, war sicher nicht der Fall. Jetzt stricke ich mit doppeltem Faden. Leider hat das Wolllädle bei uns geschlossen. So verstricke ich jetzt eben meine Reste.


Ein gemütlicher Sonntag neigt sich dem Ende. Jetzt noch die 12 von 12 schreiben.