Sie sitzt mir gegenüber. Eine ganz nüchterne Frau. Steht mit beiden Beinen im Leben, Job, Haushalt, alles im Griff. Und dann sagt sie, mehr zu sich selbst als zu mir: „Ich glaub, er ist noch da.“
Er ist tot. Und trotzdem. Sie spürt ihn. Sie sieht ihn fast.
Sie weiß genau, was sie wahrnimmt. Sie hat nur niemanden, mit dem sie darüber reden kann.
Jetzt schon.
Mein Rat, wenn Du Verstorbene spürst: nicht wegschauen. Hinschauen, ansprechen, Dich schützen. Und gerade rund um Allerheiligen: ehren statt rufen.
Immer wieder erzählen mir Menschen so etwas. Ganz bodenständige Menschen. Und gerade jetzt, Ende Oktober, Anfang November, häuft sich das. Hm. Warum eigentlich? Und vor allem: Was machst Du, wenn es Dir so geht?
Manche Abschiede brauchen Zeit
Vielleicht kennst Du die Geschichte vom Wohnwagen, der einfach nicht verkauft werden wollte. Ich hab sie hier erzählt. Ein verstorbener Vater, der noch an genau der Stelle stand, wo er gestorben war.
Was ich aus solchen Erfahrungen gelernt habe: Manchmal geht ein Abschied schnell und klar. Manchmal dauert es etwas länger, und es erschließt sich uns nicht deutlich, warum es so ist.
Was helfen kann, ist ein kleiner Abschied. Den Verstorbenen ansprechen. Eine Kerze anzünden, ein bisschen Duft hinstellen. Kein Hokuspokus, bei dem man sich komisch vorkommt. Eher wie ein Abschied, der noch gefehlt hat. Dass Orte so etwas speichern, erlebe ich übrigens auch im Beruf immer wieder: Geprägte Orte.
Was tun, wenn Du Verstorbene spürst?
Kurz gesagt: nicht ignorieren, sondern hinschauen, ansprechen und Dich schützen.
Das Erste, was die meisten machen: ignorieren. Wird schon weggehen. Bild ich mir eh nur ein.
Naja. Meistens geht es eben nicht weg.
Wenn Du das Gefühl hast, da ist noch jemand, dann frag Dich erst mal ganz nüchtern: Siehst Du ihn? Spürst Du ihn? Redet er mit Dir?
Nicht, weil Du Dir unsicher sein musst. Sondern damit Du es in Worte fassen kannst. Jeder nimmt anders wahr. Und alles davon darf sein.
Mein Rat ist ein anderer. Schau hin. Wer ist das? Kennst Du ihn? Was will er hier? Und warum zeigt er sich gerade Dir?
Sprich ihn an. Ganz direkt. Frag nach. Nicht über ihn hinweggehen, nicht so tun, als wäre da nichts. Das ist keine Mutprobe, das ist Klarheit.
Laut oder innerlich?
Das hängt von Dir ab. Und von der Umgebung. Ich spreche oft laut, wenn ich überrascht werde. Und wenn ich sehe, da ist kein lebender Mensch, den das irritieren könnte. Innerlich aussprechen reicht aber recht oft.
Wichtig ist nur eins: Sei ganz dabei. Fokussiert. Nicht nebenher, während Du den Abwasch machst.
Und die Antwort? Die ist in der Regel der erste Gedanke, der Dir durch den Kopf saust. Auch wenn Du nichts hörst. Nicht wegwischen, sondern ernst nehmen.
Fragen führen zu Klarheit. Warum bist Du hier? Warum zeigst Du Dich mir? Was kann ich für Dich tun? Und manchmal braucht es am Ende einen klaren Satz: „Bitte geh.“ Oder: „Wir können gern in Kontakt gehen, wenn ich Dich rufe.“
Schütz Dich
Und schütz Dich. Wenn Du Angst hast oder spürst, dass da etwas nicht gut ist, dann hol Dir geistigen Beistand. Ruf einen Engel. Oder Maria. Oder direkt Jesus. Oder einen Bodyguard. Jemanden, der Dir hilft, Dich sicher zu fühlen.
Manchmal ist gar nichts zu tun
Neulich erzählte mir eine Frau, die in einem uralten Haus lebt: „Hier ist ganz schön was los. Ich seh dauernd irgendwen vorbeiziehen.“
Ob ihr das Angst macht? Nein. Sorgen? Auch nicht. Für sie ist das einfach Zuhause sein.
Hui. So kann es eben auch sein.
Manchmal hat ein Verstorbener noch etwas offen. Manchmal ist es auch jemand ganz anderes, der irgendwie mitgekommen ist. Und manchmal reicht schon die Frage: Magst Du von alleine wieder gehen?
Ehrlich, oft ist das schon die halbe Lösung.
Und wenn Dir ein Verstorbener immer wieder begegnet, lohnt sich auch die leise Frage an Dich selbst: Bin ich schon bereit, ihn gehen zu lassen?
Und warum zeigt sich das gerade jetzt so oft? Weil diese Wochen besonders sind. Und weil wir oft nicht mehr wissen, was wir mit ihnen anfangen sollen.
Halloween? Naja. Und was dann?
Als ich Kind war, gab es noch kein Halloween. Aber es gab den Laternenlauf.
Wir haben die Laternen selbst gebastelt. Und dann mussten sie ganz achtsam durch die Nacht getragen werden. Damit die Kerze nicht umkippt und die Laterne Feuer fängt.
Ich hab nie verstanden, warum die anderen Kinder ihre Laternen hin und her geschaukelt haben. Oder warum manche plötzlich mit Kunstlicht kamen.
Singend durch die Straßen. Auf dunklen Wegen. Das hat mich tief berührt. Wenn ich die Wege heute anschaue: winzige Strecken. Aber sie haben mich geprägt.
Vielleicht mag ich Halloween deshalb nicht besonders. Kunstblut, Zombies, Gummifinger. Mir ist das zu laut. Und es ruft eher, als dass es ehrt.
Kick oder Berührung?
Ich glaube, die Menschen suchen etwas. Das Grab herrichten fühlt sich für viele nach Pflicht an, nach Regeln und Vergleichen. Halloween verspricht mehr Kick.
Aber brauchen wir den wirklich? Oder suchen wir eigentlich etwas anderes: berührt werden?
Für mich ist das der Unterschied zwischen Kick und Berührung. Der Kick ist schnell vorbei. Berührung bleibt. Meine Laterne trage ich nach so vielen Jahren immer noch in mir.
Was wir mit dem Abend anfangen können
Aber einfach dagegen sein bringt ja auch nix. Die Kinder ziehen trotzdem los, die Kürbisse stehen trotzdem vor der Tür. Also: Was können wir mit diesem Abend anfangen?
Der Name kommt von „All Hallows‘ Eve“, Vorabend von Allerheiligen. Der Schleier ist dünn. Das spüren viele, auch ohne es benennen zu können. Warum also nicht genau das nutzen? Nur leiser.
Ein paar Ideen:
- Ein Licht ins Fenster. Für die, die gegangen sind. Ganz einfach.
- Das Fotoalbum rausholen. Mal wieder durchblättern. Oma, Opa, der Onkel mit dem komischen Hut. Daneben eine Kerze.
- Geschichten erzählen. Gerade mit Kindern. Wer war Uropa eigentlich? Was hat er gern gegessen? Das ist spannender als jedes Gruselkostüm.
- Einen freundlichen Kürbis schnitzen. Muss ja nicht immer gruselig sein. Ein Lächeln leuchtet auch.
- Und aus dem Rest? Kürbissuppe. Gemeinsam essen, gemeinsam erinnern. Vielleicht nach Omas Rezept.
- Räuchern. Den Raum klären, bevor die besonderen Tage beginnen. Wie ich selbst dazu kam, steht hier. Hinterher Lüften nicht vergessen. 🙂
Ehren statt rufen
Allerheiligen am 1. November ehrt alle Heiligen, Allerseelen am 2. November gedenkt aller Verstorbenen.
Und dann kommen Allerheiligen und Allerseelen. Die Türen stehen offen. Botschaften von drüben kommen leichter durch. Viele spüren in diesen Tagen ihre Verstorbenen näher als sonst.
Die alte Tradition macht daraus keine Party. Wir gehen ans Grab. Zünden ein Licht an. Denken an die, die vor uns waren. Wir ehren sie.
Und dann? Lassen wir sie wieder gehen.
Erinnern, danken, entlassen. Das ist für mich der Kern.
Was unterscheidet Allerheiligen von den Rauhnächten?
Die kommen später. Zwischen den Jahren. Und sie haben eine ganz andere Richtung.
Allerheiligen schaut zurück. Zu denen, die vor uns waren.
Die Rauhnächte schauen nach vorn. Sie sind zum Träumen da. Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was soll im neuen Jahr wachsen?
Da darf man Zukunftsbilder entwickeln. Anfangen, das nächste Jahr zu träumen. Und auch das kann man mit Rauch begleiten. Dinge, die man nicht mehr braucht, ausräuchern. Platz machen für Neues.
Also: Im November ehren und entlassen. Zwischen den Jahren träumen und vorbereiten.
| Allerheiligen & Allerseelen | Rauhnächte | |
|---|---|---|
| Wann | 1. und 2. November | zwischen den Jahren |
| Blick | zurück, zu den Verstorbenen | nach vorn, ins neue Jahr |
| Haltung | ehren und entlassen | träumen und vorbereiten |
| Was hilft | Licht, Fotoalbum, Erinnern | Räuchern, Zukunftsbilder |
Und Du?
Vielleicht spürst Du auch einen Verstorbenen. Ein Duft, der plötzlich im Raum ist. Ein Gefühl, nicht allein zu sein. Ein Mensch, der gegangen ist und irgendwie doch noch da.
Du musst das nicht wegerklären. Und Du musst auch nicht allein damit bleiben. Ich hab übrigens selbst lange nicht darüber geredet: Jahrelang habe ich geschwiegen – jetzt nicht mehr.
Nimm Dir diese Tage. Hol das Fotoalbum raus. Zünde ein Licht an. Erinnere Dich. Und dann lass gehen, was gehen will.
Und wenn Du merkst, da ist mehr, da hängt etwas fest: Komm gern zu meinem Abend der Klarheit. Beim ersten Mal kannst Du kostenlos zuhören und einfach spüren, ob das was für Dich ist. Oder schreib mir direkt. Wir schauen gemeinsam hin.
Häufige Fragen
Ja, viele Menschen erleben das, oft ganz bodenständige. Manche sehen etwas, manche spüren eine Präsenz, manche riechen einen vertrauten Duft. Jeder nimmt anders wahr, und alles davon darf sein.
Nicht wegschauen. Frag Dich erst, wie Du ihn wahrnimmst, dann sprich ihn an: Wer bist Du, was willst Du? Wenn Dir etwas nicht geheuer ist, hol Dir geistigen Beistand. Oft hilft schon die Frage, ob er von allein gehen mag.
In diesen Tagen ist der Schleier zwischen den Welten dünner. Botschaften von drüben kommen leichter durch, deshalb spüren viele ihre Verstorbenen jetzt näher als sonst.
Nein. Manchmal ist gar nichts zu tun. Manche erleben die Präsenz als ganz friedlich, fast wie Zuhause sein. Wichtig ist nur, dass Du Dich dabei sicher fühlst.
Allerheiligen schaut zurück: Wir ehren die Verstorbenen und lassen sie wieder gehen. Die Rauhnächte zwischen den Jahren schauen nach vorn: Sie sind zum Träumen und Vorbereiten des neuen Jahres da.