Leider gibt es fast keine guten Vorbilder, wie eine Kommunikation respektvoll und wertschätzend geht.
Das Wichtigste in Kürze:
- Es gibt kaum gute Vorbilder für respektvolle, wertschätzende Kommunikation – weder in Medien noch häufig in Schule oder Elternhaus.
- Viele vermeintliche Ich-Botschaften sind in Wirklichkeit versteckte Du-Botschaften – Sätze wie „Ich fühle mich verletzt“ wollen oft, dass der andere sich ändert.
- Solange ich beim anderen nach der Ursache meines Gefühls suche, bleibe ich von seiner Reaktion abhängig.
- Es geht immer um den Sprecher selbst – echte Klärung beginnt bei der eigenen Verantwortung, nicht beim Verhalten des anderen.
Ich Botschaften
Ich Botschaften sind ein sehr schönes Werkzeug. Es besagt, dass man über sich spricht, und nicht über den Anderen.
Ich Botschaft bedeutet, ich sage, wie es mir geht, was ich brauche, was ich erlebe, um was ich den Anderen bitten möchte.
Theoretisch.
Viele glauben, sie senden Ich-Botschaften – doch in Wahrheit steckt oft ein unausgesprochenes „Mach Du etwas anders“ darin.
So beginnt der Satz zwar mit Ich, aber die Haltung bleibt beim Anderen. Nicht nur einmal habe ich angewandte Ich Botschaften gehört: z.B in der Form: „Ich will, dass Du … das Fenster zu machst“ oder „Ich will, dass Du mehr mit den Kindern machst“.
Wie solche versteckten Du-Botschaften aussehen und wie man echte Ich-Botschaften formuliert, beschreibe ich ausführlich im Beitrag Ich- und Du-Botschaften: Warum viele Ich-Botschaften gar keine sind.
Du Botschaft
Hörst Du es? Es ist scheinbar eine Form, etwas über sich zu sagen. Tatsächlich ist es eine versteckte Du Botschaft. Ich will, Du sollst,…. und auf Du Botschaften reagieren die Meisten heftig, oder aber schuldbewusst. Selten einsichtig, und selten fühlen sie sich respektvoll behandelt. Es ist auch nicht respektvoll.
Ich will etwas, Du sollst was tun… damit ich mich besser fühle.
So, ab jetzt wird es anstrengend. Immer wenn ich was will, was Du sollst…. Geht es UM MICH!!!
Viele Menschen merken gar nicht, dass sie etwas vom anderen erwarten, wenn sie sagen: „Ich fühle mich verletzt.“
In Wahrheit wollen sie, dass der andere sich ändert – statt selbst Verantwortung für das eigene Gefühl zu übernehmen.
Doch solange ich beim anderen suche, bleibe ich abhängig von seiner Reaktion.
Es geht immer um den Sprecher
Aber da genau hinzusehen, genau hin zu spüren – ist sehr schwierig, voller Programmierungen, und voller Fallen. Wenn Du dann aber genau dahinter kommst, was IN DIR ist. Warum Du WAS willst, dann kommst Du plötzlich in eine Selbstermächtigung – und brauchst nicht mehr, dass der Andere sich ändert. Denn Du änderst Dich, Dein Verhalten, Deine Erwartungen, Deine Ansprüche an Andere.
Ja genau. Es ist schwer. Es ist leichter dem Anderen was an Kopf zu knallen. Was er dann vermutlich oft nicht einmal erfüllen kann.
So gehts besser
Also nehmen wir nochmal die Beispiele von oben.
„Ich will, dass Du das Fenster zu machst.“
Da stecken verschiedene Schichten drin, die es zu ergründen gibt.
Warum soll der Andere das Fenster zu machen? Warum mache ich es nicht selbst zu? Warum soll das Fenster überhaupt zu sein? Warum ist das Fenster offen? Seit wann ist es offen? Wann ist es sonst zu?
Gerade fällt mir ein. Bei den Seminaren hieß es auch immer bitte der Letzte macht die Fenster zu. Da ich die Letzte war, machte ich die Fenster zu. Das war ok. Kein Thema, wenn das bei Dir auch so ist. Der Andere das Fenster zu macht. Wunderbar. Allerdings, wenn es Stress gibt, immer wieder das Thema Fenster da ist.. Dann, und nur dann lohnt es sich, das Thema genauer zu untersuchen.
Ich will, dass Du mehr mit den Kindern machst.
Ganz banal: Warum will ich das? Brauche ich mehr Zeit für mich?
Sind meine Erwartungen an meinen Partner anders, als der ist?
Sind meine Vorstellungen von wer wieviel Zeit mit Kindern verbringen soll meine Programmierung?
Hat sich der Andere an meiner Vorstellung zu orientieren?
Warum soll der Andere mehr Zeit mit den Kindern verbringen?
Das gilt es genau zu untersuchen. Vielleicht landest Du dann da, dass Deine Eltern zu wenig Zeit mit Dir verbracht haben. Dann kann Dein Partner wirklich nichts dafür, da Du ihn mit Deinen Eltern verwechselst.
Hintergründe erforschen
Meine Vorstellung von Muttersein/Vatersein ist wie? Woher kommt dieses Bild? Passt es in Deine/Eure Lebenssituation?
Wenn Du nicht zu viel bei Dir ergründen willst, kannst Du auch den Anderen befragen. Und dann schauen, was Du mit den Antworten machen möchtest. Aber eine Frage ist eine Frage, und kein Befehl.
Also: „Machst Du das Fenster bitte zu. “
„Nein.“ /“Ja Klar“
„Bist Du zufrieden mit der Menge an Zeit, die Du mit den Kindern verbringst? „
„Ja, völlig.“ „Nein, mir ist das auch zu wenig, aber…“
Bei beiden Antworten weißt Du jetzt, wo der Andere steht.
Jetzt sind wir bei Fragen gelandet. Das ist nochmal ein anders wichtiges Thema.
Zurück zum Ich.
Es gilt zu ergründen, warum willst Du etwas. Was fühlst, denkst, erwartest, erhoffst Du Dir? Was steckt hinter Deinem Bedürfnis? Wenn Du mit mir arbeitest, wirst Du immer wieder den Punkt bemerken: Um was geht es Dir wirklich. Und damit bis Du ganz bei Dir!
Wenn Du erkennst, was Du wirklich willst, veränderst Du automatisch Deine Kommunikation.
Denn dann brauchst Du keine versteckten Botschaften mehr.
Du sprichst nicht über den Anderen – Du sprichst aus Dir.
Das ist der Moment, in dem echte Begegnung entsteht.
Da, wo Du bei Dir bleibst, wird das Gespräch ehrlich – und leicht.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist „Ich fühle mich verletzt“ oft eine versteckte Du-Botschaft?
Weil dahinter meist die Erwartung steckt, dass der andere sich ändern soll, statt dass ich selbst Verantwortung für mein Gefühl übernehme. Solange ich beim anderen suche, bleibe ich von seiner Reaktion abhängig.
Warum reagieren Menschen so heftig auf Du-Botschaften?
Weil Du-Botschaften wie „Du sollst…“ selten als respektvoll erlebt werden. Die meisten reagieren dann entweder heftig oder schuldbewusst, aber selten einsichtig.
Warum fehlt es vielen an guten Vorbildern für respektvolle Kommunikation?
Weil Medien, Schule und oft auch das Elternhaus selten wertschätzende Kommunikation vorleben. Viele haben deshalb nie gelernt, wie gute Kommunikation in Beziehungen wirklich funktioniert.